Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1282.

Wie lebt es sich mit zweierlei Heimat?

Projekt arbeitsloser Akademiker in Oldenburg

Unter dem Titel „Lebenswelten – verinnerte Orte" fand in Oldenburg vom 3. Juli bis zum 30. August eine leider viel zu kurze Ausstellung statt. Sieben junge Akademiker ohne feste Anstellung hatten sich mit Unterstützung der Agentur für Arbeit und der örtlichen Volkshochschule entschlossen, „eine künstlerische und dokumentarische Annäherung" an das Thema Vertreibung zu präsentieren. Dabei lagen der Arbeit zwei Hauptfragen zu Grunde: „Wie präsent sind Erinnerungen an Flucht, Vertreibung und die individuell geprägten Vorstellungen des Heimatortes – auch nach einem halben Jahrhundert?" und „Wenn Menschen wegen Vertreibung ihre Heimat verloren haben und eine zweite finden mußten – wie lebt es sich mit zweierlei Heimat im Herzen?"

Zur Beantwortung dieser Fragen hatten die sieben Projektteilnehmer über die regionale Presse Zeitzeugen gesucht, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Oldenburg eine neue, zweite Heimat gefunden haben. Die Resonanz war überaus groß, und so konnten nach wochenlanger Arbeit 20 Vertriebene nicht nur fotografisch porträtiert, sondern mit ihren Interviews filmisch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Außer diesen Bild- und Tonaufnahmen der Zeitzeugen wurden verschiedene Installationen und Skulpturen gezeigt. Sie befaßten sich künstlerisch mit der Darstellung der Gefühlswelt der Heimatvertriebenen. Dazu gesellten sich eigens für die Ausstellung geschaffene Lyrik und Prosa. Abgerundet wurde der Themenkreis mit Exponaten zur Vertreibung.

Mit diesem Arbeitsprojekt haben sich junge Menschen zugleich gegen den weitverbreiteten Zeitgeist gewandt und dazu beigetragen, daß ein Stück deutscher und europäischer Geschichte in Wahrhaftigkeit und im Sinne der Kantschen Aufklärung bewahrt wird, wie es zum Abschluß der Ausstellung hieß. Es bleibt zu wünschen, daß die Ausstellung an weiteren Orten gezeigt werden kann.

Horst Milde (KK)

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