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Ausgaben: Ausgabe 1378.

„Wieder aktuell und das Geschehen bestimmend“

Habsbergtagung der Ackermann-Gemeinde zur Flüchtlingsproblematik

Hauptredner Archimandrit Dr. Andreas Thiermeyer und Christina Engel, 6. und 7. v. r. mit ihren Zuhörern
Bild: der Autor

„Miteinander statt nebeneinander“ hieß das Thema der sechsten Habsbergtagung der Ackermann-Gemeinde der Diözese Regensburg. Doch nicht nur aus diesem Bistum, sondern auch aus den Bistümern Eichstätt und Pilsen waren die Teilnehmer in das Haus am Habsberg gekommen, um sich mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik zu beschäftigen.

Auf den Wandel der Habsbergtagung ging Leonhard Fuchs, der Diözesanvorsitzende der Ackermann-Gemeinde, in seiner Begrüßung ein. Ursprünglich als Forum für die deutsch-tschechische Partnerarbeit gedacht, habe sich die Tagung nun neben dieser Funktion als Plattform zur Informationsvermittlung über aktuelle Themen der Ackermann-Gemeinde entwickelt. Dabei sei die Thematik „Flucht und Vertreibung“ für die Ackermann-Gemeinde hinsichtlich ihrer Ursprünge (Vertreibung der Sudetendeutschen) grundlegend und angesichts der jüngsten Entwicklungen (Flucht, Vertreibung, Asyl, Integration) „wieder aktuell und für das Tagesgeschehen bestimmend“, so der Diözesanvorsitzende.

„Es ist schwierig, einen endgültigen Standpunkt zu finden“, schloss Fuchs seine Einführung und leitete zu den Vorträgen über.

„Es war wichtig, dass wir nicht kleinlich waren“, stellte zu Beginn seines Referats der seit Februar 2015 als Diözesanbeauftragter für die Migrantenseelsorge im Bistum Eichstätt wirkende Archimandrit Dr. Andreas Thiermeyer zur Aufnahme der Flüchtlinge im Sommer 2015 fest und ging hart mit manchen Äußerungen – auch kirchlicher Würdenträger – ins Gericht. Anhand von Aussagen der christlichen Soziallehre, der Werke der Barmherzigkeit und mehrerer Bibelzitate über die Haltung gegenüber Fremden forderte er für Christen eine „besondere Verantwortung für einen menschlichen und sozialen Umgang mit Flüchtlingen“. Deutlich machte er, dass im Laufe der Jahrhunderte auch aus Deutschland viele tausend Menschen vor allem wirtschaftlich bedingt auswanderten.

Thiermeyer wies auf die prognostizierte Klimakatastrophe in Afrika hin, die zur Flucht von ca. 120 Millionen Menschen führen werde. „Europa kann, wenn es die nationalen Egoismen überwindet, 50 bis 60 Millionen Menschen aufnehmen“, mahnte er an. Detailliert stellte er das pastorale Konzept der Flüchtlingsarbeit des Bistums Eichstätt vor, das weniger konfessionelle, sondern stärker allgemein christliche Aspekte berücksichtigt. Thiermeyer schilderte auch die vielen Spaltungen in der Ostkirche, beleuchtete die auch heute vor allem in moslemischen Ländern vorherrschende Verfolgung von Christen und setzte sich für eine Integration der Flüchtlinge entsprechend der Parameter „Fördern und Fordern“ ein, wobei die Akzeptanz der Grundwerte ein zentraler Punkt ist.

Christina Engl, die bei der Caritas Regensburg tätige Pastoralreferentin für Pfarrgemeinden in Sachen Asyl/Flüchtlinge, informierte zunächst anhand aktueller Zahlen, Daten und Fakten zur Thematik. Auch wies sie auf die verpflichtende Schulung der Priester im Bistum Regensburg zum Thema Flüchtlinge hin. Sie brachte Argumente aus der Gesinnungs- und der Verantwortungsethik und beleuchtete die Thematik aus den Blickwinkeln der Regionen Asien (Hoffnung), islamischer Gürtel Nordafrika (Demütigung, Erniedrigung) sowie Europa/USA (Angst). Vor dem Hintergrund dieser psychologischen/emotionalen Entwicklungen seien, so Engl, viele der aktuellen Verhaltensweisen erklärbar. Als Ansatzpunkte empfahl sie sechs Punkte: Kontakt, Zusammenarbeit, gemeinsame Vertrauensräume, Hilfe zur Selbsthilfe, Wissen voneinander, Wissen um die Moral.

Mit einem Rückblick und einem Ausblick auf die Aktivitäten in diesem Jahr (u. a. 70 Jahre Ackermann-Gemeinde in Regensburg) endete die 6. Habsbergtagung, die sicher auch 2018 eine Fortsetzung findet.

Markus Bauer (KK)

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