Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1399.

„Wir haben erfolgreich mit aufgebaut“

73. Wallfahrt der Vertriebenen nach Vierzehnheiligen

Glauben leben, farbenfroh und fröhlich: die Abordnungen mit dem Diözesan-Vertriebenenseelsorger Monsignore Herbert Hautmann
Bild: der Autor

Dass bei der 73. Wallfahrt der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler nach Vierzehnheiligen der prominente Prediger und Hauptzelebrant beim Gottesdienst fehlte, tat der Veranstaltung keinen Abbruch.

Die Ansprache bei der Eucharistiefeier hielt Pater Heribert Arens OFM, Guardian des örtlichen Klosters, zum Jahresthema „Glauben leben“, und ebenso gab der für die Wallfahrt verantwortliche Diözesan-Vertriebenenseelsorger Monsignore Herbert Hautmann den Wallfahrern Gedanken und Informationen mit auf den Weg.

Schon beim Auftakt, der Prozession der Trachtengruppen und Fahnenabordnungen (Ackermann-Gemeinde, Eghalanda Gmoi, Sudetendeutsche Landsmannschaft, Oberschlesier, Banater Schwaben) von draußen durch das Hauptportal in die Basilika war kein Bischof dabei, obwohl der Budweiser Oberhirte Vlastimil Krocil angekündigt war. Wie sich dann zu Beginn des Gottesdienstes herausstellte, war er versehentlich in Gößweinstein, dem Wohnort von Monsignore Hautmann, gelandet.

Mit Bezug auf die Adressaten der Wallfahrt – Heimatvertriebene, Flüchtlinge, Aussiedler – machte Guardian Pater Heribert Arens in seiner Begrüßung deutlich, dass das Thema Flucht und Vertreibung die Menschen immer neu und wohl auch noch lange bewegt bzw. bewegen wird. Den Wallfahrern attestierte er, dass sie aufgrund ihres gleichen oder ähnlichen Schicksals „einfühlsam für die Situation der jetzigen Flüchtlinge“ seien.

Auf den Initiator dieser Wallfahrt, Bischof Maximilian Kaller (1880–1947), wies in seinen einleitenden Worten Monsignore Hautmann hin. In seiner Funktion als Sonderbeauftragter für die Ostflüchtlinge und Heimatvertriebenen habe Kaller im Jahr 1946 die erste Vertriebenenwallfahrt nach Vierzehnheiligen organisiert und bei der zweiten im Jahr darauf seine letzte Predigt gehalten. Im Mai 2003 sei der Seligsprechungsprozess eröffnet worden. Kurz ging Hautmann auf Kallers Vita ein (Studium in Königstein, priesterliches Wirken) und auf dessen Appelle an die Vertriebenen. Kaller habe bei seinen Predigten in Vierzehnheiligen klar gesagt, dass eine Rückkehr in die alte Heimat nicht möglich und es daher die Aufgabe sei, Deutschland gemeinsam mit den Westdeutschen aufzubauen. „Die Heimatvertriebenen haben viel für das dann blühende Leben beigetragen. Dafür sollten wir dankbar sein“, fasste der Vertriebenenseelsorger zusammen, der in diesem Kontext den christlichen Glauben – Gebet und Gottesdienst – als ein wichtiges Motiv anführte. „Wir dürfen dankbar sein für das Glaubenszeugnis, das die Vorfahren abgelegt haben“, schloss Hautmann seine Begrüßung.

Den diesjährigen Wallfahrtsleitgedanken von Vierzehnheiligen, „Glauben leben“, erläuterte und vertiefte Guardian Pater Heribert Arens in seiner Predigt. Dass die beiden so gekoppelten Begriffe ursächlich zusammengehören, verdeutlichte der Pater gleich zu Beginn. Besonders appellierte er, den Glauben tagtäglich im Alltag zu leben und zu praktizieren. „Der Glaube will geerdet sein. Jesus wurde Mensch, erdete sich als Gott, teilte das Leben. An seinem Leben und Glauben können wir die Botschaft vom guten Gott sehen“, führte der Geistliche aus. Er nannte Momente im Tun Christi (Erweckung des Lazarus, Vergebung der Sünden) und rief die von Jesus geforderte Selbst- und Nächstenliebe als Basis der Menschenwürde in Erinnerung. Letztlich gebe der Glaube auch Hoffnung über den Tod hinaus, so Pater Heribert zum Schluss seiner Ansprache.

Nach dem Gottesdienst ehrte Adolf Markus, der Bezirksobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Oberfranken, Monsignore Hautmann für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SL. Markus nannte Hautmanns frühere Wirkungsstätten als Dekan und oft in der Diaspora in Franken. „Meistens hatte er es mit Vertriebenen zu tun“, blickte Markus zurück. In Bad Windsheim trat Hautmann im Jahr 1968 als 3052. Mitglied der SL bei. Zu den einschneidenden Erlebnissen des Vertriebenenseelsorgers gehören jene am Ende des Krieges, als der damals Zwölfjährige Hab und Gut von Menschen in den Westen schmuggelte, das Theologiestudium in Königstein und „das bewegte Priesterleben in Bayern“, so der SL-Bezirksobmann. Er verwies auch auf die Verleihung des päpstlichen Ehrentitels „Monsignore“ vor 14 Jahren durch Papst Johannes Paul II. an Hautmann und die Ernennung zum Diözesan-Vertriebenenseelsorger im Erzbistum Bamberg vor zwölf Jahren. „Er ist jeden Tag unterwegs zu den Menschen. Und jedes Jahr ist er auch beim Festgottesdienst zum Sudetendeutschen Tag als Konzelebrant dabei“, fasste Markus zusammen. Für all diese Verdienste habe ihm die SL-Landesgruppe Bayern im Juli letzten Jahres die Verdienstmedaille in Bronze verliehen. Für die fünf Jahrzehnte Mitgliedschaft in der SL überreichte Bezirksobmann Markus eine Ehrenurkunde und das von Alfred Langer verfasste Buch „Ein neuer Anfang“.

Bei der Marienandacht am Nachmittag am Gnadenaltar der Basilika rief Monsignore Hautmann die lebendige Marienverehrung in den Vertreibungsgebieten und die vielen Marienwallfahrtsorte in Erinnerung. Ebenso die Marienlieder, die im Westen nicht so stark verbreitet waren. Die Ansprache hielt der Tradition gemäß ein Laie, diesmal Manfred Kees, der Obmann der SL-Ortsgruppe Bayreuth. Mit dem Satz „Gott, ich danke Dir, dass Du nicht all meine Gebete erhört hast“, begann Kees seine Rede.

„Der Glaube will geerdet sein. Jesus wurde Mensch, erdete sich als Gott, teilte das Leben. An seinem Leben und Glauben können wir die Botschaft vom guten Gott sehen.“

Kees nannte Beispiele für Flucht und Vertreibung aus dem Alten und Neuen Testament und verwies auf die heute rund 64 Millionen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Hunger und Tod sind. Und er rückte die Gottesmutter Maria in den Fokus, die ebenfalls auf der Flucht war. Zwar habe sich der Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukehren, nicht erfüllt. Aber die Heimatvertriebenen seien aufgenommen und es sei ihnen geholfen worden. „Wir haben aber nicht gefordert, sondern sind aktiv geworden und haben erfolgreich mit aufgebaut.“ Und dafür sei der Gottesmutter zu danken.

Dies verband Kees mit der Bitte und dem Appell an die Besucher der Andacht, ihrer Sendung als Christen gerecht zu werden. Sei es durch das Kruzifix in öffentlichen Räumen „als Erinnerung, als Mahnung, als Hoffnung und als deutliches Zeichen für unser Christentum“ oder durch eine entsprechende Glaubenspraxis und die Betonung der christlichen Werte. Er schloss seine Ansprache mit einem innigen Dank an Monsignore Herbert Hautmann, den er ins abschließende Gebet an Maria einschloss. Die Marienandacht bereicherte die Sopranistin Evi Kral aus Weismain mit einigen Marienliedern, begleitet an der Orgel vom Weismainer Bürgermeister Udo Dauer.

Markus Bauer (KK)

«

»