Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1328.

Wohin gehen wir? Immer nach Hause

Das sagte Novalis, die Protagonisten der Ausstellung „Angekommen“ konnten es nicht sagen

Die musikalisch umrahmte Eröffnungsveranstaltung der jüngsten Ausstellung des Zentrums gegen Vertreibungen, die das Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus in Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen Nordrhein-Westfalen bis zum 11. April zeigt, fand im Beisein zahlreicher Besucher statt, darunter waren auch viele Ehrengäste und Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in NRW. Hans-Günther Parplies, der NRW-Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Ausstellung für die Generation der Betroffenen hervor. Die BdV-Generalsekretärin Michaela Hriberski brachte die Thematik auf den Punkt, als sie in ihrer Ansprache betonte: „Eines ist klar:

Die Entwicklung unseres Landes nach nationalsozialistischer Unrechtsherrschaft und Krieg ist ohne die Aufbauleistungen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler undenkbar. (…) Die Ausstellung zeigt, wie sich aus dem Leid der Vertriebenen, ihrem ‚unsichtbaren Fluchtgepäck‘, ihrem Aufbauwillen und ihren Aufbauleistungen im Zusammenwirken mit den Einheimischen unser Land entwickelt hat.“

Anhand von aussagekräftigen Text- und Bildtafeln sowie zahlreichen Dokumentarfotografien und Plakaten werden in der Ausstellung die Flucht und Vertreibung von 12 bis 15 Millionen Deutschen, vor allem jedoch deren Integration in Westdeutschland beleuchtet. Auch wenn rückblickend gesagt werden kann, dass die Eingliederung der Vertriebenen ein Erfolg war, der zu den größten Leistungen Deutschlands nach 1945 zählt, war der Weg dahin häufig von menschlicher Härte und viel Leid geprägt. Es war keine lineare Erfolgsgeschichte, sondern für viele Vertriebene eine bittere Erfahrung.

Wer die Dokumentarschau im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus besucht, bekommt kompetente Antworten auf die Fragen: Wie sah Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aus? Wie war die Lage der Heimatvertriebenen? Wie sahen die ersten Unterkünfte aus? Wie erfolgte die Integration? Was fordert die Charta der Vertriebenen? Die Ausstellung veranschaulicht verschiedene Etappen des langen und mühseligen Weges, den die „Angekommenen“ zu gehen hatten, ehe sie von einer neuen Heimat sprechen konnten. Erwähnung finden u. a. auch die alltäglichen Spannungen, die zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen herrschten, obwohl alle bestrebt waren, das Land aus den Trümmern des Krieges gemeinsam wiederaufzubauen.

Die Präsentation spannt einen Bogen von der Ankunft der Vertriebenen über die ersten Jahre der „Wirtschaftswunderzeit“ bis in die Gegenwart. Die Veränderungen der gesamten deutschen Gesellschaft durch Flüchtlinge und Vertriebene in sozialen und politischen Belangen werden ebenso dargestellt wie die Rahmenbedingungen, die dafür erkämpft wurden, seien es Rechtsstatus, Städtebau, Gedenkkultur oder die Pflege der eigenen kulturellen Wurzeln. Nicht zuletzt finden sich Hinweise auf den regen Kultur- und Religionsaustausch, der nach 1945 in Deutschland herrschte.

In der Ausstellung wird auch die aktuelle deutsche Museenlandschaft vorgestellt, wo zahlreiche Häuser sich mit der Pflege und Bewahrung der ostdeutschen Kulturgüter beschäftigen. Sammlungsschwerpunkte und Hintergrundinformationen zu den Einrichtungen – das Siebenbürgische Museum in Gundelsheim auf Schloss Horneck am Neckar, das Schlesische Museum Görlitz, das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm, das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, das Westpreußische Landesmuseum Münster, das Ostpreußische Landesmuseum Lüneburg sowie das Pommersche Landesmuseum Greifswald – werden in Wort und Bild aufgezeigt.

Hinzu kommen Vitrinen mit thematisch passenden Anthologien und Buchtiteln wie „Flucht, Vertreibung, Integration“ (herausgegeben von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland), „Integration – Vertriebene in deutschen Ländern nach 1945“ (herausgegeben von Maria Krauss), „Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder“ (erschienen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe), „Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945“ von Andreas Kossert und „Wir sind daheim. 60 Jahre Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen“.

Um Literatur ging es übrigens auch am Stand des BdV-Buchdienstes, der im Foyer des Gerhart-Hauptmann-Hauses u. a. die Katalog-Trilogie zu den Ausstellungen des Zentrums gegen Vertreibungen „Die Gerufenen“, „Erzwungene Wege“ und „Angekommen“ in einem Schuber anbot. Unter www.bdv-buchdienst.de sind auch weitere interessante Titel einzusehen und zu erwerben.

Dieter Göllner (KK)

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