Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1370.

Wohltätig bis wohltuend

Oberschlesisches Landesmuseum ehrt Eva von Tiele-Winckler, Schöpferin des Friedenshortes, und den Musiker Heinrich Schulz-Beuthen

Zum 150. Geburtstag von Eva von Tiele-Winckler – auch bekannt als Mutter Eva – seite-12-kk1370zeigt das Oberschlesische Landesmuseum eine interessante Dokumentarschau. Die Ausstellungskuratorin Izabella Wójcik-Kühnel aus Kattowitz beschreibt die Persönlichkeit von Eva von Tiele-Winckler (1866–1930) als eine starke Frau, die viel bewirkte und sich selbst stets zurücknahm: „Christliche Nächstenliebe als Basis des Handelns war ihr Leitmotiv.“

Eva von Tiele-Winckler wurde 1866 geboren und stammte aus einer reichen oberschlesischen Unternehmerfamilie. In Oberschlesien hatten sich in dieser Zeit durch das Wachstum der Schwerindustrie die gesellschaftlichen Strukturen grundlegend verändert. Viele Großgrundbesitzer stiegen zu bedeutenden Industriemagnaten auf, darunter auch Eva von Tiele-Wincklers Großvater Franz. Daneben nahm die Armut der Arbeiterschaft durch mangelnde soziale Absicherung zu. Von solchem Elend abgeschottet, wuchs Eva wohlbehütet auf Schloss Miechowitz bei Beuthen zusammen mit ihren acht Geschwistern auf.

Sie wurde zu Hause unterrichtet und stieß mit 16 Jahren auf eine Bibelstelle über den Guten Hirten. Sie war davon so tief beeindruckt, dass sie beschloss, sich vollständig Jesus hinzugeben. Die Verwirklichung dieser Hingabe sah Eva im Dienst an den Armen.

Ein Meilenstein in der Lebensgeschichte von Mutter Eva war das Jahr 1885, als sie das diakonische Werk Bethel bei Bielefeld und den Pastor Friedrich von Bodelschwingh kennenlernte. Von seiner Arbeit und Persönlichkeit beeindruckt, ließ sie sich von ihm zur Krankenschwester ausbilden. Sie errichtete 1890 in der Nähe des Schlosses das Haus Friedenshort. Auf Anregung von Friedrich von Bodelschwingh gründete sie 1892 eine eigene evangelische Schwesternschaft, die als Grundlage für ihr großes diakonisches Wirken diente.

Auf dem Gelände des Friedenshortes in Miechowitz entstanden 28 Pflegeheime, Mutter Eva unterstützte auch 40 Heime für obdach- oder elternlose Kinder. Izabella Wójcik-Kühnel erzählte: „Als Mutter Eva 1930 starb, waren ihre letzten Worte ein Gebet: ‚Herr, ich danke Dir für jedes Kind, für jedes Kind, das Du mir geschenkt hast.‘“

Zeitgleich ist in Ratingen-Hösel neben der großen Sonderausstellung zu Schlesiens Kultur des Essens und Trinkens „Für Leib und Seele“ auch eine Präsentation Leben und Werk des Komponisten Heinrich Schulz-Beuthen (1838–1915) gewidmet. Dazu ist zu betonen, dass die Schau vom Oberschlesischen Museum Beuthen und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit unterstützt wurde.

Heute ist der Komponist in Vergessenheit geraten, Konzerte mit seiner Musik sind selten – und das, obwohl er zu den wichtigen deutschen Komponisten der Romantik gehört. Über 130 Werke stammen aus der Feder Schulz-Beuthens, der an Zeitgenossen wie Robert Schumann oder Franz Liszt gemessen werden kann. 2015 jährte sich der Todestag des mit Leipzig, Zürich, Wien und Dresden verbundenen Komponisten zum 100. Mal. Dies war der Anlass für das Oberschlesische Museum in Beuthen und das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen, das Werk dieses Musikers näher zu beleuchten.

Die Doppelausstellung ist bis zum 7. August in Ratingen-Hösel zu besichtigen.

(KK)

«

»