Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1297.

Zivilisation der Liebe

Das war die Richtung der Sudetendeutschen Wallfahrt

„Heimat im Glauben“ hieß das Motto der diesjährigen Sudetendeutschen Wallfahrt nach Altötting am ersten Julisonntag, zu der die Ackermann-Gemeinde und der Visitator für die Seelsorge an den Sudetendeutschen eingeladen hatten. Die Bedeutung von Kirche, Religion und Glauben im Kontext von Heimatverlust machten auch beim Festgottesdienst in der Basilika St. Anna Erzbischof Alfons Nossol, emeritierter Bischof von Oppeln, sodann in der Marienfeier am Nachmittag Pfarrer Hans Schneider aus Dießen deutlich.

Auch Petrus war den Pilgern wohlgesonnen, die Sonne strahlte ebenso wie die bunten Trachten der Wallfahrer, die freilich etwas ins Schwitzen kamen. Doch vor der Basilika St. Anna gibt es immer schattige Plätze, an denen man sich vor der Meßfeier ein wenig ausruhen und Gedanken austauschen kann.

Die meist älteren in Tracht gekleideten Teilnehmer bedauerten, daß es von Jahr zu Jahr weniger Leute werden, die ihr Bekenntnis zur Volksgruppe auch durch das Tragen der Tracht demonstrieren. Doch auch einige Vertreter der jungen Generation zeigten mit Tracht ihre sudetendeutsche Verbundenheit. Das weiß Bernd Posselt, MdEP, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, zu schätzen, der zeitig vor Beginn der Messe eintraf und Gespräche mit den Wallfahrern sowie mit den Geistlichen führte.

Über das farbenprächtige Bild der Trachtengruppen und Fahnenabordnungen freute sich in ihrer Begrüßung auch Ilse Estermaier, die Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Passau. „Sie sind ein Abbild der alten Heimat. Nach über 60 Jahren ist uns die Basilika hier in Altötting zur Heimat des Glaubens geworden“, stellte sie fest. Als „echten Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen und Mittler zwischen den Konfessionen“ würdigte sie Erzbischof Alfons Nossol und gab bekannt, daß Prof. Dr. Tomás Halik, der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, den Guardini-Preis erhalten habe.

Den „befriedenden Frieden in Europa und in der Welt“ stellte Erzbischof Nossol in den Fokus seiner Predigt. „Der Friede wird denen geschenkt, die auf Jesus Christus hoffen. Der Glaube an Jesus Christus verschafft Frieden“, lautete seine Grundthese. Er machte aber auch deutlich, daß der Christ die „Botschaft von Frieden und Heil“ mit Wort und Tat verkünden müsse. In diesem Kontext würdigte er die Ackermann-Gemeinde als Brückenbauer für den Frieden im eigenen Land und in Europa, „der die deutsch-tschechische und deutsch-slowakische Nachbarschaft am Herzen liegt“. Der Altbischof zitierte zentrale Passagen aus „Der Ackermann und der Tod“ mit der Aufforderung zur Umkehr, Vergebung und Versöhnung.

Für Erzbischof Nossol bedeutet dies, daß vor allem die Christen als Friedensstifter gefragt seien. Er wies auf Sätze von Papst Johannes Paul II. hin, daß „kein Friede ohne Gerechtigkeit und keine Gerechtigkeit ohne Vergebung“ möglich sei. Für den Oberhirten ist die Vergebung ein zentraler Faktor: sie heilt Wunden und ist Basis für den befriedenden Frieden. „Vergebung setzt große geistige Kraft und moralischen Mut voraus. Ohne Dialog gibt es keinen Frieden und keine Versöhnung“, stellte der Erzbischof zwei weitere Aspekte in den Raum. „Vergebung ist der Hauptweg und die Seele einer Zivilisation der Liebe. Vergebung ist eine innere Haltung, die Menschen von Gott lernen können“, vertiefte der Altbischof und nannte als Voraussetzungen für das Vergeben den Abstand und die Freiheit.
„Der Wille zur Vergebung muss wachsen, und es darf keinen Zwang zur Vergebung geben. Den Weg zur Vergebung muss jeder auf eigene Weise und im eigenen Tempo gehen. Vergebung ist Heilung von Erinnerungen. Nur Gott vergibt auf der Stelle. Der wird der größte Sieger sein, der als erster vergibt“, machte Erzbischof Nossol deutlich. Auf dieser Basis könne es auch in Europa zu einem friedvollen Mit- und Füreinander kommen. „Versöhnung und Vergebung ist den Christen als bleibende Herausforderung aufgegeben. Wir sollten zu wahren Friedensstiftern werden“, faßte der Oberhirte zusammen, der außerdem betonte, daß er sein ganzes priesterliches Wirken dem Dienst der Versöhnung zwischen Nationen, Völkern, Konfessionen und Religionen gewidmet habe.

Bei der Marienfeier gedachte der Dießener Pfarrer Hans Schneider der Verstorbenen der Heimat, der Ackermann-Gemeinde, der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie aller Opfer von Kriegen und Gewalt. In seiner Predigt rief er die Marienwallfahrten, -kirchen und -kapellen im Sudetenland in Erinnerung und damit die Verbindung zur Gottesmutter in der früheren Heimat. „Es war selbstverständlich, dass die Menschen nach dem schweren Schicksal der Vertreibung einen Ort suchten, wo sie bei Maria ihre Sorgen abladen konnten“, beschrieb er die Entscheidung für die Wallfahrt der Sudetendeutschen nach Altötting. Die Vertreibung aus der Heimat sah der Geistliche in gewisser Weise auch als Heimsuchung, als einen Aufbruch zu etwas Neuem. Der Geistliche empfahl, die Lebenserfahrungen aus der alten Heimat an die nächste Generation weiterzugeben.

Mit der Prozession zur Gnadenkapelle, begleitet von der Musikkapelle Altötting, endete die diesjährige Sudetendeutsche Wallfahrt, wobei Msgr. Johannes Tasler, der Geistliche Beirat der Ackermann-Gemeinde München/Freising, wünschte, daß sich die Wallfahrer auch im kommenden Jahr wieder in Altötting treffen mögen.

Markus Bauer (KK)

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