Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1254.

Zum Tod des Schauspielers Erwin Geschonnek

In Berlin starb am 12. März der berühmte und beliebte DDR-Schauspieler Erwin Geschonneck. Geboren am 27. Dezember 1906 in Bartenstein/Ostpreußen, hatte er noch wenige Wochen vorher seinen 101. Geburtstag feiern können. Er war der Sohn eines Flickschusters und Nachwächters, zog mit seinen Eltern 1908 in die Reichshauptstadt Berlin und trat 1929 der KPD bei. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er 1933 in die Sowjetunion, wo er 1939 verhaftet und an Deutschland ausgeliefert wurde. Bis zum Kriegsende war er als Kommunist in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Neuengamme gefangen und gehörte zu den wenigen Überlebenden des KZ-Schiffes „Cap Arcona“, das am 3. Mai 1945 von der britischen Luftwaffe versenkt worden war.

Von 1946 bis 1948 arbeitete er als Schauspieler bei den Hamburger Kammerspielen, bis ihn Bertolt Brecht 1949 ans Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm holte. Zugleich machte er Filmkarriere bei der DEFA, wo er mit der Rolle des Holländer-Michel in der Verfilmung von Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ (1950) berühmt wurde. Weitere Hauptrollen spielte er in den Filmen „Das Beil von Wandsbek“ (1950), „Sonnensucher“ (1958), „Gewissen in Aufruhr“ (1961), „Nackt unter Wölfen“ (1963) nach Bruno Apitz, „Jeder stirbt für sich allein“ (1970) nach Hans Fallada und „Jakob der Lügner“ (1974) nach Jurek Becker. Sein letzter Film hieß „Matulla und Busch“ (1995) nach einer Erzählung Klaus Schlesingers.

Insgesamt hat Erwin Geschonneck auf der Bühne, im Film und im Fernsehen über 100 Rollen verkörpert, wofür er höchste Auszeichnungen verliehen bekam: 1954, 1960, 1961 und 1968 den DDR-Nationalpreis, 1976 den Vaterländischen Verdienstorden in Gold, 1981 den Karl-Marx-Orden. Dennoch ist er immer ein kritischer DDR-Bürger geblieben.

Seine Lebenserinnerungen hat er unter dem sinnfälligen Titel „Mein unruhigen Jahre“ (1984) veröffentlicht.

Jörg Bernhard Bilke (KK)

«

»