Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1398.

Zur Feier – auch der Sachlichkeit

Michael Wolffsohn mit dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis geehrt

Bei der Preisverleihung v.l.n.r.: Vorsitzender der Stiftung Dr. Christean Wagner, Ministerpräsident Volker Bouffier, Prof. Michael Wolffsohn, Bürgermeister und Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt am Main Uwe Becker, Laudator Prof. Andreas Rödder (Mainz)
Bild: der Autor

Der Historiker und Publizist Professor Dr. Michael Wolffsohn wurde am dritten Oktobersonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis geehrt. Im Rahmen der Feierstunde wurde die Ausstellung „In Lagern – Schicksale deutscher Zivilisten im östlichen Europa 1941–1955“ eröffnet.

Der Franz-Werfel-Menschenrechtspreis wird seit 2003 alle zwei Jahre an Personen oder Initiativen verliehen, die durch ihr Handeln das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Menschenrechtsverletzungen durch Völkermord, Vertreibung oder die bewusste Zerstörung nationaler, ethnischer oder religiöser Gruppen schärfen. Vergeben wird die Auszeichnung von der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ des Bundes der Vertriebenen. Professor Michael Wolffsohn erhielt den mit 10 000 Euro dotierten Preis für sein vielfältiges und umfangreiches Schaffen, begründete die Jury ihre Entscheidung.

In seinen Begrüßungsworten lobte Uwe Becker, der Bürgermeister und Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt am Main, die Entscheidung der Jury: „Professor Wolffsohn ist ein profilierter Zeithistoriker und Publizist, der sich in seiner Arbeit in einer besonderen Weise dem jüdischen Leben in Deutschland und den deutsch-israelischen Beziehungen widmet und seit Jahren wichtige Anstöße für das gesellschaftliche Leben und das Miteinander in unserem Lande gibt.“
An der Feierstunde nahmen zahlreiche Spitzenpolitiker teil, u. a. der Ministerpräsident des Landes Hessen, Volker Bouffier (CDU), dessen Vorfahren Donauschwaben waren.

In seinem Grußwort sagte Bouffier unter anderem: „Diejenigen Menschen, die ihre Heimat verloren haben und hier wieder angefangen haben, sind ein herausragender Teil unseres Landes. Unser Land Hessen hat über ein Viertel Bewohner, die als Vertriebene zu uns gekommen sind. Dieses Land wäre nicht das, was es heute ist, ohne die Leistung dieser Menschen. Sie sind damals nicht gerade freundlich aufgenommen worden – im Gegenteil: Das Land war zerstört, und es kamen viele hinzu. Aber es ist gelungen, in einzigartiger Weise daraus ein Deutschland und ein Hessen zu machen, wie wir es nie hatten. Deswegen habe ich gerne die Schirmherrschaft über diese Veranstaltung übernommen und bin heute hier, um deutlich zu machen, dass die Leistungen der Vertriebenen nicht vergessen werden dürfen. Denen gilt mein Dank und meine Anerkennung. (…) Ich begrüße ausdrücklich, dass die Stiftung eine Ausstellung eröffnet, in der es um das Leid der Zivilisten nach 1945 geht. Meine Anwesenheit hier sehen Sie auch als Anerkennung für die Arbeit und Ziele der Stiftung.“

In der anschließenden Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung sagte Dr. Christean Wagner, der Vorsitzende der Stiftung, u. a.: „Der Schlussteil der Ausstellung ist der Aufarbeitung des Themas in den betreffenden Staaten gewidmet und zeigt auf, wie durch unterschiedliche Initiativen Wege zur Verständigung über Grenzen und Nationalitäten hinweg gesucht und gefunden werden. (…) Hervorheben möchte ich bei meinen Dankesworten alle Zeitzeugen, die mit ihren Erzählungen und Berichten die Tiefe der persönlichen Dimension ermöglicht haben. Ohne ihr Mitwirken wäre die Ausstellung in dieser Form nicht möglich gewesen.“

Unter den Gästen der Feierstunde waren auch Nachkommen des ehemaligen Zgoda-Häftlings Gerhard Gruschka (Balve), der im April 1945 als Vierzehnjähriger von den Sowjets in seiner Geburtsstadt Gleiwitz verhaftet wurde und in das polnische Nachkriegskonzentrationslager Zgoda (zuvor KZ Eintrachthütte) verschleppt wurde. Beate Büker (Bitburg) erklärte: „Im Vorfeld sprachen wir mit unserem Vater und es wurde schnell klar, dass er zur Ausstellungseröffnung nicht mitkommen könne. Da er für diese Ausstellung einen Beitrag leistete und auch mehrfach zitiert wird, war für uns selbstverständlich, dass wir an seiner Stelle hinfahren. Für uns ist es wichtig, einen Gesamteindruck zu bekommen, also nicht nur die Geschichte des Lagers Zgoda und meines Vaters, sondern auch anderer Lager und anderer Betroffener. Die Ausstellung verhilft eindrucksvoll, das Schicksal der Betroffenen ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung.“

Johannes Rasim (KK)

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