Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1328.

Zur Metapher erstarrt

Darum immer (durch)sehenswert: Das Bernsteinkabinett Ellingen zeigt Schmuckstücke im eigentlichen und übertragenen Sinn

„Goldene Tränen“, „Gold des Nordens“, „Gold des Meeres“ oder „Gold der Ostsee“ – Bernstein hat viele Namen. Schöne Schmuck- und kunsthandwerkliche Stücke aus diesem „goldenen Stoff“ sind im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen zu sehen. Mit dem Bernsteinkabinett wurde ein weiterer Raum, der das Thema Bernstein behandelt, vollständig umgestaltet. In einem schon vor längerer Zeit fertiggestellten Zimmer werden Geschichte, Herkunft und die Arten der Gewinnung des Schmucksteins beschrieben, der vor Millionen von Jahren als Baumharz mitsamt den Wäldern Ostpreußens im Meer versank.

Bernsteinsammeln, Bernsteinfischen und Bernsteintauchen wurden im 19. Jahrhundert im Samland durch bergbauliche Gewinnung abgelöst. Interessant für die Geschichtsforschung sind vor allem die Inklusen genannten Stücke, bei denen Tiere wie Spinnen, Fliegen und Würmer von dem flüssigen Harz umschlossen und somit der Nachwelt erhalten wurden.

Im neuen Bernsteinkabinett des Kulturzentrums sind in ansprechend gestalteten Vitrinen Schmuckstücke aus dem fossilen Harz ausgestellt. Eine Wand ist nach dem neuen Gestaltungsprinzip des Kulturzentrums ausgerichtet. Auf fünf Tafeln wird vom Mythos des im Zweiten Weltkrieg verschwundenen Bernsteinzimmers aus dem Katharinenpalast in St. Petersburg über die inspirierende Wirkung des Materials auf den Kunsthandwerker bis zur Geschichte der Schmuckstücke, ausgehend von den fürstlichen Höfen bis zur Ergänzung der bäuerlichen Tracht, erzählt. Dabei bilden die Tafeln als Einheit einen Blick auf die Landschaft, in der das Rohmaterial auch heute noch in Einzelstücken gefunden wird. In teilweise geschlossenen Vitrinen, die den Besucher neugierig machen sollen und von ihm geöffnet werden müssen, sind kunstvolle Halsketten und Armreife, aber auch verzierte Bilderrahmen, Feuerzeuge und Aschenbecher zu sehen. Brieföffner und Schatullen ergänzen das Angebot an Gebrauchsgegenständen. Daneben gibt es geschnitzte Figuren wie Schildkröten, Krokodile und Bären, zudem St. Georg mit dem Drachen oder eine Christusdarstellung am Kreuz. All diese Schaustücke sind in farblich abgestimmter Schrift auf den Türen der Vitrinen erläutert, die Rückseite erweckt ebenso wie die großflächige Wand den Eindruck, als stände man am Ostseestrand.

Ein zentral aufgestellter Schaukasten ist den in Silber gefassten und mit Posamenten ergänzten Halsketten und Broschen vorbehalten. Diese Stücke wurden allesamt zur Ergänzung der in Ostpreußen getragenen Trachten verwendet. Ein großflächiges Plakat für die Reichssammlung des Winterhilfswerkes unter dem Titel „Deutsches Gold aus Ostpreußen – für Dein Opfer“ rundet die Ausstellung ab.

(KK)

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