Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1291.

Zwiesprachler

Der Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung für Autoren aus dem Ausland, die deutsch schreiben

Einen würdigeren Rahmen als die Allerheiligenhofkirche der Münchner Residenz hätte die Robert Bosch Stiftung nicht wählen können, um den von ihr zum 26. Mal ausgelobten Adelbert-von-Chamisso-Preis zu verleihen. Der Hauptpreis (15000 Euro) ging an die 1971 in Sopron/Ungarn geborene Wahl-Berlinerin Terézia Mora, die beiden Förderpreise (je 7500 Euro) an den 37jährigen Iraker Abbas Khider, Berlin, und die Georgierin Nino Haratischwili, Hamburg, Jahrgang 1983. Der von der frisch und virtuos aufspielenden Münchner Band „Gitanes Blondes“ musikalisch untermalte und von Dieter Moor angenehm moderierte Festabend wurde auch in der Reihe „Denkzeit“ von BR-alpha ausgestrahlt.

Den Adelbert-von-Chamisso-Preis vergibt die seit 1964 bestehende Stuttgarter Robert Bosch Stiftung regelmäßig seit 1985 an Autorinnen und Autoren, die aus dem Ausland kommen und nicht von deutscher Kultur geprägt sind, aber deutsch schreiben. Terézia Mora zählt bereits zur Crème de la crème der zeitgenössischen Belletristik. Mit ihrem Roman „Alle Tage“ (2004) allein schon gelang ihr ein Wurf. Dies hob die Laudatorin Sigrid Löffler ebenso hervor, wie sie Moras exquisite Übersetzungsarbeit lobte.

Für den aus Bagdad stammenden Lyriker und Romanautor Abbas Khider, der als Student in München lebte, verwendete sich beredt Hubert Spiegel, FAZ-Korrespondent und Kafka-Biograph. Khiders Roman „Der falsche Inder“ verrate, so das scheidende Jury-Mitglied Spiegel, viel Autobiographisches und laviere raffiniert zwischen Enthüllen und Verbergen.

Die bereits als junges Mädchen von Tiflis nach Deutschland gelangte, kurz in ihre Heimat zurückgekehrte, nun aber seit langem schon in Deutschland erfolgreich kulturell tätige Nino Haratschiwili entfalte sich als Dramatikerin auf unsentimentale, dennoch pathosgeladene Weise, würdigte die Hamburger Theaterwissenschaftlerin Barbara Müller-Wesemann die Arbeit der jungen Ausländerin, die in hervorragender Weise die deutsche Sprache beherrsche.

Hans Gärtner (KK)

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