Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
Kulturportal Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR

Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

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Marienburg

 

Zentrale Einrichtung aller Vertriebenen
zum Zweck der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung der Kultur und
Geschichte aller historischen deutschen
Ost- und Siedlungsgebiete, Förderung der Wissenschaft und für kulturelle Breitenarbeit

 

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Veranstaltungshinweise:

23. November 2020

Einladung zur Online-Fachtagung zum literarischen Leben in Danzig im 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert war Danzig wichtiger Erprobungs- und Aufführungsort einer durch den Schlesier Martin Opitz auf den Weg gebrachten und dann im protestantischen Teil des alten deutschen Sprachraums schnell aufgegriffenen und weiter ausgeprägten deutschsprachigen Dichtkunst.

Als zentrale Figur des literarischen Lebens in der Stadt begegnet uns Johann Peter Titz (1619-1689), der 1635 aus Liegnitz an die Ostsee gekommen war und ab 1651 als Professor für alte Sprachen, Poesie und Rhetorik am Akademischen Gymnasium maßgeblich zur Reputation von Dichtkunst und Gelehrsamkeit Danzigs in der Region beitrug.

Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen lädt Sie hiermit herzlich ein zur zweitägigen Online-Fachtagung zum Thema:

„Literarisches Leben und städtisches Selbstbewusstsein – Dichtung und Kultur in Danzig zu Lebzeiten von Johann Peter Titz“
am: 7. und 8. Dezember 2020
ab: 14.30 Uhr (07.12.) und 10.00 Uhr (08.12.)
Live-Stream auf Youtube unter: www.bit.ly/kulturstiftungvideo

Das gesamte Programm als pdf-Falter:
Tagungseinladung Literarisches Leben und städtisches Selbstbewusstsein – Dichtung und Kultur in Danzig zu Lebzeiten von Johannes Peter Titz

20. November 2020

Einladung zur Online-Fachtagung zur Geschichte und Architektur Livlands

Auf dem Gebiet der heutigen Staaten Estland und Lettland existierte vom späten 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts eine Konföderation christlicher Kreuzfahrerstaaten, die man als Livland bezeichnete. Bis heute zeugen zahlreiche mittelalterliche Burgen und Kirchen von dieser Epoche.

Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen lädt Sie hiermit herzlich zur Online-Fachtagung zum Thema:

„Mittelalterliche Geschichte und Architektur Livlands“
am: 3. Dezember 2020
ab: 09.45 Uhr
Live-Stream auf Youtube unter: www.bit.ly/kulturstiftungvideo

Die Tagung richtet sich an Wissenschaftler, Studierende, aber auch an weitere an der Kultur des nordöstlichen Europa Interessierte. Sie bietet eine Ein-führung in grundlegende Aspekte der mittelalterlichen Geschichte und Architektur Livlands. Darüber hinaus wird die Rolle dieses historischen Erbes für die moderne Gesellschaft der beiden baltischen Staaten diskutiert.

Das Programm und weitere Informationen zu der Veranstaltung finden sie im Anhang dieser Mail.

Gerne weisen wir auch auf das aktuelle Projekt „Mittelalterliche Architektur in Livland (MALIV)“ von PD Dr. Christofer Herrmann hin, das am Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (IKM) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angesiedelt ist. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie im beigelegten Flyer und auf: www.maliv.eu

Das gesamte Programm als pdf-Falter:
Tagungseinladung Mittelalterliche Geschichte und Architektur Livlands

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Aktuell:

30. November 2020

Thomas Konhäuser zwischen Rollup und Flipchart

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, stellt Möglichkeiten der Zusammenarbeit vor

Kulturstiftung stellt sich vor

Die Multiplikatorenschulung der Jugend der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) vermittelte am Wochenende vom 27. November bis 29. November den Mitgliedern der Jugendorganisation wichtiges Wissen zur Vereinsarbeit, zum Projektmanagement und zur Öffentlichkeitsarbeit. Am Samstag gab es zudem einen Themenblock, bei dem Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, die Arbeit der Stiftung und Möglichkeiten der Zusammenarbeit präsentieren durfte. Bereits jetzt sind mit dem Jugendverband erste wegweisende Projekte in Planung.

Multiplikatorenschulung der Jugend der LmDR

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25. November 2020

Thomas Konhäuser und Matthias Lempart mit Rollup der Kulturstiftung

Der Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Thomas Konhäuser (links), gemeinsam mit Matthias Lempart, Referent für grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Referent für grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen nimmt Tätigkeit in Berlin auf

Seit dem 2. November 2020 ist der (Osteuropa-)Historiker Matthias Lempart, gebürtig aus Schlesien, bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zuständig.

Der Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) war neben und nach seinem Studium der Geschichte Ost- und Südosteuropas, der Slavischen Philologie und des Rechts für Sozialwissenschaftler u.a. in wissenschaftlichen Projekten der LMU, des Osteuropa-Instituts München und des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin tätig.

Er ist Autor von Veröffentlichungen zur Geschichte der ehemaligen deutschen Ostgebiete, Polens und zu Minderheitenfragen im östlichen Mitteleuropa, in seiner Mitherausgeberschaft erschien das „Oberschlesische Jahrbuch“. Freiberuflich war er eng mit dem Haus des Deutschen Ostens in München (nachgeordnete Behörde des Bayerischen Sozialministeriums) verbunden. Er engagierte sich in der Landsmannschaft der Oberschlesier und in der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (Jugendinitiative im Heimatwerk Schlesischer Katholiken), organisierte Jugendbegegnungen der Landsmannschaft Ostpreußen mit und beteiligte sich lange Jahre ehrenamtlich an der Arbeit der deutschen Minderheit in Oberschlesien.

Zu seinem künftigen Aufgabengebiet bei der Kulturstiftung gehört u.a. die Förderung einer grenzüberschreitenden Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den nach § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) tätigen Einrichtungen der eigenständigen Kulturarbeit in Deutschland mit Einrichtungen und Institutionen der deutschen Minderheiten im östlichen Europa in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) und darüber hinaus auch mit Einrichtungen und Institutionen in staatlicher Trägerschaft und auf Ebene der Zivilgesellschaft. Ebenfalls zeichnet er verantwortlich für eine grenzüberschreitende Vernetzung und Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Einrichtungen, die zum deutschen kulturellen Erbe in Mittelost-, Ost- und Südosteuropa sowie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion forschen.

Gerne steht Ihnen Herr Lempart fortan zur Verfügung. Zu erreichen ist er unter der E-Mail-Adresse matthias.lempart@kulturstiftung.org und der Telefonnummer 030 / 863 355 11.

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23. November 2020

Bildschirmaufnahme: Prof. Dr. Manfred Kittel und Sven Felix Kellerhoff im Online-Gespräch mit Hartmut Koschyk und Reinfried Vogler

Prof. Dr. Manfred Kittel und Sven Felix Kellerhoff im Online-Gespräch mit Hartmut Koschyk und Reinfried Vogler

Kulturstiftung stellt neues Standardwerk zum Lastenausgleich von Prof. Dr. Manfred Kittel vor

In seiner neuen Studie „Stiefkinder des Wirtschaftswunders? Die deutschen Ostvertriebenen und die Politik des Lastenausgleichs (1952-1975)“ widmet sich Prof. Dr. Manfred Kittel einem lange Zeit in Vergessenheit geratenen Thema. Mit der neu aufkommenden Debatte um Entschädigungen im Zuge der Corona-Krise ist auch der Begriff ‚Lastenausgleich‘ jedoch wieder aktuell geworden.

Mit seinem Debattenbeitrag liefert Prof. Kittel eine wissenschaftliche Einordnung der historischen Bedeutung dieser Entschädigungs- und Eingliederungsleistung der jungen Bundesrepublik. In einer Online-Buchpräsentation und anschließenden Diskussion stellte Prof. Dr. Manfred Kittel auf Einladung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen nun am 19. November seine Studie im Live-Stream vor.

In seinem Grußwort zur Online-Buchvorstellung sprach Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung und Zeitzeuge des Lastenausgleichs, von der großen psychologischen Bedeutung des 1952 in Kraft getretenen Gesetzes. Der Lastenausgleich sei zwar heute in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, habe aber seinerzeit einen wichtigen Beitrag zur Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen geleistet. Dabei habe die psychologische Wirkung den materiellen Wert weit übertroffen, sagte er.

Prof. Dr. Manfred Kittel im Berliner Büro der Kulturstiftung

Prof. Dr. Manfred Kittel im Berliner Büro der Kulturstiftung bei der Online-Vorstellung seiner Studie

Entschädigung und psychologische Wirkung

In seinem Eingangsreferat wies danach Prof. Kittel auf die Größenordnung des Lastenausgleichs hin, die anfangs vergleichsweise einem Fünftel des Bundeshaushalts gleich kam. Dabei war der Lastenausgleichsfonds jedoch kein Teil des Bundesetats. Die ausgeschütteten Mittel seien jedoch nicht nur Vertriebenen zugutegekommen, sagte der Historiker, ein Drittel der Gelder sei an Kriegs- und Währungsgeschädigte geflossen. Trotz dieser großen Hilfsleistung habe es immer Rufe nach Aufstockung der Leistungen gegeben. Nachdrücklich widersprach Prof. Kittel jedoch der Interpretation, er habe in seinem Buch eine vollständige Entschädigung der Vertriebenen als realistischen Wunsch beschrieben. Statt der schließlich nach 28 Novellierungen des Gesetzes erreichten 6,5 Prozent Entschädigung bei größeren Verlusten seien aber die vom Bund der Vertriebenen (BdV) lange geforderten 20 Prozent mitten im Wirtschaftswunder möglich gewesen.

Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär a.D. und ehemaliger Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, erklärte in seinem Referat zur Buchvorstellung, der „Mythos Lastenausgleich“ habe lange einer genaueren und wissenschaftlichen Betrachtung insbesondere bezüglich seiner Entwicklung bedurft. Auch er betonte die politisch und sozial befriedende Wirkung des Lastenausgleichs, die besonders zur Eingliederung der immer als Minderheit aufgefassten Vertriebenen beigetragen habe. Hartmut Koschyk dankte Prof. Kittel für seine Arbeit, die bereits jetzt ihre Einordnung als zukünftiges Standardwerk zum Thema erkennen lasse und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, diese Studie möge als Anstoß für eine vertiefende Beschäftigung mit dem Lastenausgleich dienen.

In der anschließenden Diskussion, die von Sven Felix Kellerhoff, dem leitenden Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte bei der WELT, moderiert wurde, gingen Prof. Kittel, Reinfried Vogler und Hartmut Koschyk auf die besonderen Umstände der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft ein. Das ursprüngliche Soforthilfegesetz, der Lastenausgleich und die politisch betriebenen Integrationsbemühungen hätten in besonderem Maße dazu beigetragen, dass eine Radikalisierung der Vertriebenen ausblieb, sagten sie übereinstimmend. Reinfried Vogler betonte zudem das aus der Not geborene Gemeinschaftsgefühl. Hartmut Koschyk fasste zusammen, als Vertriebener habe man sich nach den ersten harten Jahren zwar manchmal als Stiefkind gefühlt, aber eines, das es trotz allem in der Gesellschaft geschafft habe.

Vermögensabgaben zur Entlastung von Corona-Betroffenen stünden historisch gesehen dem Lastenausgleich aber so gegenüber, als würde man Äpfel mit Kürbissen vergleichen, erklärte Prof. Kittel.

Thomas Konhäuser, Manfred Kittel und Sven Felix Kellerhoff im Berliner Büro der Kulturstiftung

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, mit Prof. Dr. Manfred Kittel und Sven Felix Kellerhoff bei der Buchvorstellung

Den Diskussionsbeitrag von Hartmut Koschyk, MdB a.D., finden Sie als pdf auf den Seiten der Kulturstiftung hier: https://kulturportal-west-ost.eu/wp-content/uploads/Hartmut-Koschyk-Beitrag-Buchvorstellung-Lastenausgleich.pdf

Aufzeichnung der Buchvorstellung vom 19. November 2020 mit Prof. Dr. Manfred Kittel

Die Aufzeichnung des Live-Streams der Buchvorstellung und Diskussion finden Sie auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen unter: www.bit.ly/kulturstiftungvideo

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20. November 2020

Buchvorstellung und Diskussion mit Prof. Dr. Manfred Kittel jetzt als Aufzeichnung zu sehen

Die Buchvorstellung und Diskussion mit Prof. Dr. Manfred Kittel zu seiner Lastenausgleich-Studie “Stiefkinder des Wirtschaftswunders? Die deutschen Ostvertriebenen und die Politik des Lastenausgleichs (1952-1975” ist nun als Aufzeichnung auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung abrufbar:

Das gesamte Programm der Buchvorstellung als pdf-Flyer:
Buchvorstellung und Diskussion Stiefkinder des Wirtschaftswunders

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28. Oktober 2020

Abschluss der zweitägigen Online-Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa“

Der abschließende Tag der zweitägigen Online-Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa“ der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) und der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung stellte gesetzliche Regelungen in Deutschland, Polen, Rumänien und Slowenien und deren praktische Umsetzungen in diesen Ländern gegenüber. Aus der Sicht der Wissenschaft, der Praxis und der Politik strebte die Fachkonferenz an, einen Überblick zu gewinnen, inwieweit die bestehenden Abkommen des Europarates einerseits und mögliche neue Rechtsschutzelemente im Rahmen der EU andererseits dazu beitragen können, das Niveau des Minderheitenschutzes im europäischen Kontext zu verbessern.

Der erste Konferenztag habe bereits eindrucksvoll unterstrichen, dass der Ausschluss und die Benachteiligung von Minderheiten Konfliktherde seien, die es durch konkrete rechtliche Regelungen zu bekämpfen gilt, erklärte Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zum Auftakt des zweiten Tages.

Mit einer Video-Grußbotschaft wandte sich Johannes Callsen, Beauftragter des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein in Angelegenheiten nationaler Minderheiten und Volksgruppen, Grenzlandarbeit und Niederdeutsch, an die Teilnehmer der Konferenz. Er betonte die Notwendigkeit, Minderheitenschutz präventiv und gemeinsam zu gestalten, anstatt nur auf auftretende Probleme zu reagieren. Man müsse von staatlicher Seite signalisieren: „Wir hören zu, wir möchten positive Veränderungen, wir gehen den Weg gemeinsam“.

Prof. Dr. Dr. hc. mult. Gilbert H. Gornig von der Universität Marburg, der den zweiten Konferenztag moderierte, gab in seinen einleitenden Worten zu bedenken, dass das Völkerrecht nur einen Mindeststandard vorgibt und es an den Ländern selbst liegt, inwieweit sie diese Rechtsordnung in ihren Regelungen übertreffen.

Der Umsetzung der gesetzlichen Lage in Deutschland widmete sich in seinem Video-Beitrag Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. In diesem Bereich sei bereits viel geleistet worden, betonte Fabritius. So sei mit der Einrichtung von beratenden Ausschüssen der anerkannten Minderheiten eine Möglichkeit der Teilhabe geschaffen worden, die wichtige Themen wie etwa die identitätsstiftenden Minderheitensprachen auf die Agenda bringt.

Die Referenten des zweiten Tages der Konferenz "Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa"

Die Referenten des zweiten Tages der Konferenz “Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa”

Dr. Beate Sibylle Pfeil, deutsche Vertreterin im Sachverständigenausschuss zur Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beim Europarat und Vorstandsmitglied im European Center for Minority Issues (ECMI), fügte hinzu, die Gesamtlage für Minderheiten sei in Deutschland relativ zufriedenstellend. Dennoch seien etwa bei der Bildung und dem Zugang zu Medien noch Lücken zu erkennen. Da viele Bereiche hier unter Landesrecht fallen, sei die Bereitschaft, Minderheitenschutz etwa im Grundgesetz festzuschreiben, auf Bundesebene aber eher gering.

Die rechtlichen Bestimmungen in Polen schilderte Dr. Magdalena Lemańczyk, Juniorprofessorin am Institut für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Zwar sei für Minderheiten hier eine freie und gleichberechtigte Teilnahme am öffentlichen Leben bereits seit 1989 gesetzlich verankert, die Umsetzung dieser Regelungen stoße jedoch an Grenzen, erklärte Dr. Lemańczyk. Es gebe so zwar die Möglichkeit der Nutzung von Minderheitensprachen als sogenannte Hilfssprachen in Gemeinden, dies sei jedoch ohne Befragung aller Bewohner nur dann möglich, wenn der Minderheitenanteil an der Einwohnerschaft 20% erreicht.

Auch Bernard Gaida, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten in der FUEN (AGDM) und Vorsitzender des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), nannte in seinem Beitrag diese Schwelle. Aus praktischer Erfahrung beschrieb er die Bedenken der Mehrheitsbevölkerung etwa bei der Anbringung zweisprachiger Ortsschilder, man befürchte hier eine Spaltung der Gesellschaft. Gute Minderheitenpolitik fördere darum Toleranz, Verständnis und Akzeptanz bei der Bevölkerungsmehrheit. Dazu seien in Polen Verbesserungen in der Medien- aber auch der Bildungspolitik notwendig.

Enikő Katalin Laczikó, Staatssekretärin im Rumänischen Regierungsdepartement für Interethnische Beziehungen, beschrieb anschließend die gesetzliche Lage in Rumänien. Zwar hätten hier historisch die Minderheiten an den sie betreffenden Gesetzen mitgearbeitet, neuere Gesetzgebungsverfahren seien jedoch nur unzureichend mit ihnen konsultiert worden. Nun gehe es darum, diese Lücken zu schließen, Bildung zu fördern und Phänomene wie „Hate Speech“ zu bekämpfen. Die zuständigen Stellen seien gefordert, den Minderheiten die notwendigen Informationen zur Wahrung ihrer Rechte zukommen zu lassen. „Stärkere Minderheiten stärken den Staat“, sagte Staatssekretärin Laczikó.

Aus der Sicht der deutschen Minderheit in Rumänien schilderte Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), den Stand des Volksgruppenschutzes. Es gebe zwar kein Minderheitenschutzgesetz per se in Rumänien, die insgesamt 18 Minderheiten des Landes würden jedoch überdurchschnittlich gut durch den Staat gefördert. So sei ihre Vertretung im Parlament gewährleistet und auch eine finanzielle Unterstützung der Kulturarbeit gesichert.

Die gesetzlichen Regelungen in Slowenien beschrieb Prof. Dr. Mitja Žagar, Professor an den Universitäten Ljubljana, Primorska/Litorale und der Nova Univerza in Slowenien und langjährig wirkend am Institut für Ethnische Studien. Slowenien habe bereits seit seiner Unabhängigkeit den Minderheitenschutz in seiner Verfassung verankert, sagte er. Die autochthonen Minderheiten der Ungarn und Italiener genössen so in ihren Siedlungsgebieten weitgehende Sprachenrechte. Verstreut lebende Minderheiten, etwa Roma oder Deutsche, seien durch Individualrechte geschützt. Zudem sei der dynamische Prozess des Minderheitenrechtes stets in Bewegung. Er stellte aber auch fest, dass die relativ guten Regeln durch größere finanzielle Förderung des Staates gestützt werden sollten.

Lara Sorgo, wissenschaftliche Assistentin am Institut für Ethnische Studien, ging auf die Baustellen des slowenischen Rechts ein. Besonders die Vermittlung der Sprache sei hier ein wichtiger Punkt. Bilingualität müsse gefördert werden, da derzeit zwar für die autochthonen Minderheiten ein Rechtsanspruch für die Benutzung ihrer Sprache bestehe, dieser aber oft an lokalen Gegebenheiten scheitere. Auch habe die Roma-Minderheit zwar eine besondere Vertretung im Land, deren Zusammensetzung sei jedoch nicht unumstritten und ihr Einfluss zudem beschränkt. Die deutsche Minderheit in Slowenien wird in ihrem Streben nach Anerkennung durch den slowenischen Staat durch Österreich unterstützt, dennoch ziehen sich die seit 1992 laufenden Verhandlungen weiter hin.

Zum Abschluss der Konferenz dankten Prof. Gilbert Gornig, Geschäftsführer Thomas Konhäuser und Éva Pénzes, Generalsekretärin der FUEN, den Referenten für ihre interessanten Beiträge. Die Unterstützung der 100 Millionen Europäer, die Minderheiten angehören, stelle trotz der bereits erfreulichen Erfolge bei Minderheitenschutz und Volksgruppenrechten weiterhin eine große Aufgabe dar, sagte Prof. Gornig. Nach zwei intensiven Konferenztagen sei klar geworden, dass noch viel zu besprechen sei und dieser Austausch im kommenden Jahr fortgesetzt werden muss.

 

Die Konferenz wird in Kürze als Aufzeichnung auf den YouTube-Kanälen der FUEN und der Kulturstiftung abrufbar sein:

https://www.youtube.com/channel/UCqvgz-LmP4VLBBH_sheDXog

https://www.youtube.com/channel/UCriw7xJskr8t5QniA52R5FQ (www.bit.ly/kulturstiftungvideo)

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27. Oktober 2020

Auftakt der zweitägigen Online-Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa“

Der erste Tag der zweitägigen Online-Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEN) rückte drängende Fragen der Minderheitenrechte in den Fokus.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Moderatorin der Veranstaltung Angelika Mlinar, Ministerin für Kohäsionspolitik in Slowenien a.D. und Vizepräsidentin der FUEN, wies Loránt Vincze MdEP, Präsident der FUEN, in seinem Grußwort auf die lange Debatte um den Begriff der „Minderheit“ hin, der auch in einigen europäischen Ländern Minderheitenschutz erschwert. Die FUEN setze sich auch mit ihrer Minority Safepack Initiative dafür ein, dass Minderheiten in ganz Europa verbriefte Rechte bekommen.

Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung

„Minderheitenrechte sind ein aktuelles, aber kein neues Thema“, sagte auch Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung. Die Kulturstiftung befasse sich bereits seit ihrer Gründung 1974 mit diesem völkerrechtlich wichtigen Aspekt, fügte er hinzu. Diese erste gemeinsame Veranstaltung der Kulturstiftung und der FUEN sei eine wichtige Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu besprechen und so echte Lösungsansätze für vorhandene Probleme zu finden.

In seinem Video-Grußwort ging Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, darauf ein, dass gerade jetzt ein praktischer und gelebter Minderheitenschutz dem Zusammenhalt in Europa dient. „Minderheitenpolitik geht alle an“, sagte er, sie sei nicht abhängig von einer Minderheitenzugehörigkeit.

Dr. Fernand de Varennes, UN-Sonderberichterstatter betreffend Minderheiten

Aus Kanada war Dr. Fernand de Varennes, UN-Sonderberichterstatter betreffend Minderheiten, zugeschaltet. Ungleichheit, Ausschluss und Benachteiligung von Minderheiten seien Konfliktherde, die es durch konkrete rechtliche Regelungen zu bekämpfen gelte, erklärte er. Man müsse dafür auf Benachteiligungsgefühle eingehen, sie identifizieren und mit Gesetzen gegenlenken. „Wer Frieden will, muss Gerechtigkeit schaffen“, so de Varennes.

Mit der völkerrechtlichen Definition von Minderheiten beschäftigte sich Prof. Dr. Dr. hc. mult. Gilbert H. Gornig von der Universität Marburg. Es gebe viele Kriterien, die man heranziehen könnte, ein einheitlicher Minderheitenbegriff fehle jedoch. So seien die Unterschiede zur Mehrheitsbevölkerung ausschlaggebend und würden autochthone nationale Minderheiten als besonders schützenswert betrachtet.

Auch Prof. Dr. Peter Hilpold von der Universität Innsbruck stellte fest, dass zwar die Wahrung der Rechte von Minderheiten im Wertekatalog der EU seit dem Vertrag von Lissabon aus dem Jahr 2007 inbegriffen ist, jedoch eine Verankerung im internationalen Völkerrecht noch aussteht. Minderheitenschutz sei kein Privileg, sondern ein Teil des allgemeinen Systems, also des Menschenrechtsschutzes, sagte Prof. Hilpold.

Die Referenten des ersten Tages der Konferenz “Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel- und Mittelosteuropa”

Zum Auftakt der anschließenden Diskussionsrunde sprach Dr. Beate Sibylle Pfeil, deutsche Vertreterin im Sachverständigenausschuss der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates, über ihre Erfahrungen. Der Europarat und die EU müssten enger und besser auf diesem Gebiet zusammenarbeiten, stellte sie fest. Minderheiten seien oft durch ihre kleine Größe nicht in der Lage, direkt ihre Rechte einzufordern und benötigten eine Zwischenstelle, an die sie sich wenden können.

Loránt Vincze MdEP fügte hinzu, man müsse dabei aber auch den Faktor des Selbstverständnisses bedenken. „Identität ist die DNS der Minderheiten“, sagte Vincze. Minderheitenschutz sei immer ein Prozess, der sich weiterentwickele, erklärte er. Das könne konstruktiv oder destruktiv sein und die EU müsse proaktiv werden und auch Geld bereitstellen, um Minderheitenrechte durchsetzen zu können.

Auch Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär a.D. und ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, sagte: „Minderheitenpolitik ist Förderpolitik“. Es ginge um volle Gleichberechtigung und nicht nur Akzeptanz. Darum dürfe man sich auch nicht nur auf dem Diskriminierungsverbot der EU ausruhen, sondern müsse konkrete rechtliche Rahmen schaffen.

Dawid Statnik, Vorsitzender des Minderheitenrates der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen in Deutschland, sprach von seinen Erfahrungen mit der Umsetzung bereits vorhandener gesetzlicher Regelungen. So seien bereits zweisprachige Beschilderungen manchmal eine Hürde. Man müsse darum klare Linien ziehen und sagen, was für die Minderheiten wichtig ist. Dabei laufe man aber immer wieder Gefahr, in eine lähmende Rechtfertigungsdiskussion zu geraten. Auch deshalb sei es wichtig, nicht nur in Expertenrunden diese Probleme anzusprechen. Man müsse stattdessen ein breites Bewusstsein schaffen und diese Anliegen als gesamtgesellschaftliches Thema platzieren.

Anschließend erklärte Bernard Gaida, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten in der FUEN (AGDM), die Anerkennung der Minderheiten sei nur der Anfang. Es gehe gerade in Mittel- und Mittelosteuropa nicht nur um die Bewahrung der Sprache und Kultur, die systematisch über Jahrzehnte unterdrückt wurden, sondern auch um deren Wiederbelebung. Der Europarat habe mit seinem Sachverständigenausschuss für Minderheitensprachen hier auch noch die Chance, mit Best-Practice-Konferenzen mehr zu tun. Dr. Beate Sibylle Pfeil stimmte zu und sagte, solche ‚Follow-up-Konferenzen‘ seien extrem wichtig. Der Europarat habe dafür aber nur begrenzte Möglichkeiten.

Abschließend sprach Dawid Statnik das Problem an, dass das europäische Normensystem in den einzelnen Nationalstaaten der EU oft nur als Empfehlung wahrgenommen wird. Auch darum seien belastbare gesetzliche Regelungen notwendig. Als positives Beispiel nannte er den Strukturwandel in den Siedlungsgebieten der Sorben in Deutschland. Hier sei die Minderheit mitgedacht worden.

Der erste Konferenztag endete mit der Feststellung Dawid Statniks, dass sich eine Minderheit selbst definieren kann. Dabei sei die Anzahl ihrer Mitglieder nicht von Belang und der Schutz ihrer Rechte zu gewährleisten.

Die Konferenz wird als Aufzeichnung auf dem Youtube-Kanal der FUEN und der Kulturstiftung abrufbar sein:

https://www.youtube.com/channel/UCqvgz-LmP4VLBBH_sheDXog

https://www.youtube.com/channel/UCriw7xJskr8t5QniA52R5FQ (www.bit.ly/kulturstiftungvideo)

Der zweite Konferenztag wird am Dienstag auf dem Youtube-Kanal der FUEN ab 14.00 Uhr erneut live gestreamt werden.

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21. Oktober 2020

 

Online-Tagung: Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte

 

Die Online-Konferenz „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte unter besonderer Berücksichtigung der Länder in Mittel- und Mittelosteuropa“ der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) und der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung soll ein Gesamtbild des Minderheitenschutzes und der Volksgruppenrechte in ausgewählten Staaten vermitteln – aus der theoretischen und praxisnahen Perspektive von Wissenschaft und Politik.

Durch die Zusammenarbeit zwischen dem größten Dachverband der autochthonen nationalen Minderheiten in Europa, der FUEN, und der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, wird dem Anspruch Rechnung getragen, eine Fachtagung gleichermaßen auszurichten, bei der sich zahlreiche deutsche und europäische VertreterInnen aus Wissenschaft und Politik sowie aus den Reihen der nationalen Minderheiten und Volksgruppen austauschen können. Die Fachkonferenz soll dazu beitragen, einen Überblick darüber zu gewinnen, inwieweit die bestehenden Abkommen des Europarates einerseits und mögliche neue Rechtsschutzelemente im Rahmen der EU andererseits dazu beitragen können, das Niveau des Minderheitenschutzes im europäischen Kontext zu verbessern.

Die Online-Konferenz wird vom 26. bis zum 27. Oktober 2020 in thematischen Blöcken durchgeführt und als Live-Stream auf dem Youtube-Kanal der FUEN übertragen. Die Videos werden anschließend auch auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen abrufbar sein.

Die Registrierung zur aktiven Online-Teilnahme an der Konferenz erfolgt über die Konferenzseite.

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16. Oktober 2020

Haus der Donauschwaben Vorderansicht

Das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen bei Stuttgart ist gleichzeitig Begegnungsstätte, Museum und Archiv

 

Wissenschaftliche Fachtagung der Kulturstiftung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Südosteuropa

 

Die zeithistorische Fachtagung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Südosteuropa: Persönlichkeiten, Konzepte und Schicksale“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen bildete am 10. und 11. Oktober 2020 den Abschluss einer dreijährigen Konferenzreihe. Vor zwei Jahren hatte man den Widerstand in Schlesien und dem Sudetenland beleuchtet und letztes Jahr dann Westpreußen, Ostpreußen sowie Pommern untersucht.

Als Tagungsort hatte man dieses Jahr das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen gewählt. Wegen der aktuellen Corona-Lage waren einige Referent*innen online zugeschaltet und die Zahl der Plätze im Saal stark reduziert. Um die Tagung auch weiteren Interessierten zugänglich machen zu können, wurde das gesamte Konferenzprogramm live auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung gestreamt und kann auch weiterhin dort abgerufen werden.

Christine Czaja-Grüninger

Christine Czaja-Grüninger, stv. Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Zum Auftakt der Tagung sprachen Christine Czaja-Grüninger, stv. Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung, und Raimund Haser, MdL und Vorsitzender des Vereins Haus der Donauschwaben, Grußworte, in denen sie ihre Freude darüber zum Ausdruck brachten, dass gerade dieses Tagungsthema im Haus der Donauschwaben besprochen werden kann. Anschließend begrüßten auch Stefan Teppert, der die Tagungsleitung innehatte, und Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, die Anwesenden im Saal und die Zuschauer online.

Das Programm begann mit einem Beitrag Stefan Tepperts zum Leben und Werk von Hans Bergel, der als Autor seine persönlichen Erfahrungen in Siebenbürgen in zahlreichen Büchern verarbeitet hat. Der Zeitzeuge des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und später gegen den Kommunismus hatte zwar aus gesundheitlichen Gründen eine persönliche Teilnahme an der Tagung in Sindelfingen absagen müssen, hatte es sich aber nicht nehmen lassen, passende Textpassagen aus seinem Roman „Wiederkehr der Wölfe“ herauszusuchen, die Ines Szuk vortrug.

Stefan Teppert

Die Tagungsleitung übernahm Stefan Teppert

Anschließend sprach der Autor und Filmemacher Thomas Dapper über deutschen Widerstand im besetzten Vielvölkerstaat Jugoslawien. Vielen Donauschwaben, die sich in Opposition zum Nationalsozialismus sahen, blieb unter den spezifischen Umständen in Jugoslawien nur die innere Emigration, fasste Dapper seine Erkenntnisse zusammen. Helmut Staudt, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, berichtete anschließend vom evangelisch-kirchlichen Protest und Widerstand in Südosteuropa.

Der zweite Konferenztag begann mit der Verlesung eines Grußwortes des emeritierten Erzbischofs Dr. Robert Zollitsch, der seine eigenen Erfahrungen mit Widerstand und Kollektivschuldvorwürfen im ehemaligen Jugoslawien beschrieb. Anschließend stellte Wilhelmine Schnichels, Vorsitzende der Donauschwäbischen Kulturstiftung, in ihrem Vortrag Persönlichkeiten aus den Reihen der katholischen Donauschwaben und deren Kampf gegen Totalitarismen vor. Sie zeigte auf, wie diese von verschiedenen politischen Seiten aus Unterdrückung und Verfolgung ausgesetzt waren.

Thomas Konhäuser per Online-Zuschaltung

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung war aus dem Berliner Büro der Kulturstiftung zugeschaltet

Helmut Erwert beschäftigte sich mit zeithistorisch belegten Szenen aus seinem Roman „Elli oder Die versprengte Zeit“. Er wies in der anschließenden Diskussion auch darauf hin, dass Handlungen immer in ihrem geschichtlichen Kontext wahrgenommen werden müssen.

Dr. Kathi Gajdos-Frank stellte ihre Forschung zu den Aufzeichnungen des ungarischen Staatssicherheitsdienstes zum ungarndeutschen Widerstand vor. Es habe keine einheitliche Form gegeben, vielmehr sei Widerstand als individuelle Entscheidung wahrgenommen worden. Nach 1945 habe der Kollektivschuld-Gedanke aber dazu geführt, dass sogar Familien, denen offiziell bescheinigt worden war, während des Krieges nicht kollaboriert zu haben, vertrieben wurden.

Die Tagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen machte deutlich, dass es keine einheitliche deutsche Gegenbewegung zum Nationalsozialismus in Südosteuropa gegeben hat. Die Opposition reichte von innerem Exil über kirchliche Organisation bis hin zu bewaffnetem Widerstand in den Reihen der Partisanen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging vielerorts die Gegenwehr zudem als Widerstand gegen andere Formen der totalitaristischen Machtausübung und Unterdrückung weiter. Diese Kontinuität wird ein spannendes Forschungsfeld bleiben. Der geplante Tagungsband zur Konferenz „Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Südosteuropa: Persönlichkeiten, Konzepte und Schicksale“ wird dazu einen guten Ausgangspunkt liefern.

 

Die Beiträge der Referenten sind als Video auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen abrufbar: www.bit.ly/kulturstiftungvideo

Lydia Zborschil und Hildegund Treiber - Soprangesang mit Klavierbegleitung

Für den musikalischen Abschluss des ersten Konferenztages mit Werken von deutschen Komponisten aus Südosteuropa sorgten Lydia Zborschil und Hildegund Treiber

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15. Oktober 2020

Gruppenbild der Tagungsteilnehmer mit Logos

Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten der gleichen Medaille

 

Kulturstiftung und AGDM verbinden: Gemeinsame Konferenz in Dresden

Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten in der FUEN (AGDM) haben mit ihrer dreitägigen Konferenz „Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten der gleichen Medaille“ einen wichtigen Beitrag für die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der vertriebenen und heimatverbliebenen Deutschen geleistet.

Vom 1. bis zum 3. Oktober trafen sich Vertreter von Landsmannschaften mit Repräsentanten der deutschen Minderheiten aus Mittel- und Osteuropa in Dresden vor Ort oder per Online-Zuschaltung. Das historische Datum war dabei bewusst gewählt. Zum 30. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung sagte Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung: „Ein Tag, der uns nachdenklich macht, der uns dankbar macht und der uns eine Verpflichtung ist, dafür zu sorgen, dass die Verhältnisse, die wir heute in Deutschland und in Mitteleuropa haben, auch auf Dauer weiter bleiben können.“

Teilnehmer des ersten Panels bei der Diskussion

Auftaktpanel mit (v.l.) Steffen Hörtler, stv. Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Stephan Rauhut, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien, Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär a.D., Bernard Gaida, Sprecher der AGDM, Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Olga Martens, Mit-Herausgeberin der Moskauer Deutschen Zeitung, Johann Thießen, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, zugeschaltet: Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik

 

Dank der Unterstützung Dr. Jens Baumanns, des sächsischen Landesbeauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler, konnte die Tagung zudem in Dresden, einem der bedeutendsten Orte der Wiedervereinigung stattfinden. Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär a.D. und ehemaliger Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, sagte in seinem einleitenden Impulsvortrag: „Heute geht es um partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Staaten, in denen Deutsche leben. Aber daraus resultiert eine Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland, wie sie für das kulturelle Erbe der Vertriebenen in Deutschland besteht, auch für Kultur und Identität deutscher Minderheiten außerhalb Deutschlands“.

Dr. Jens Baumann war Gast vor Ort und würdigte zum Auftakt der Konferenz die Arbeit der Vertriebenen- und Heimatverbliebenenverbände: „Vertriebene und Minderheiten sind ein integraler Bestandteil der Gesellschaft. Sie sind für alle eine Bereicherung.“ Gerade der Umgang eines Landes mit Vertriebenen und Minderheiten sei ein Maßstab für gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein.

Foto mit Teilnehmern des vierten Panels und Gästen im Saal

Durch Zuschaltung konnten auch Wissenschaftler aus ganz Mittel- und Osteuropa an der Konferenz teilnehmen

 

Nach einer einführenden Diskussionsrunde wurden aktuelle Themen der Jugendarbeit, Digitalisierung und Vernetzung der wissenschaftlichen Forschung im In- und Ausland angesprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Dabei wurden viele Gemeinsamkeiten festgestellt, die zu zukünftigen Kooperationen führen können. Es wurde deutlich, dass diese Art des Austauschs zwischen den Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen ein viel zu lange vernachlässigtes Feld geblieben ist.

Seit der deutschen Wiedervereinigung und dem politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa in den Jahren 1989/1990 hatten vor allem Begegnungen in kleinerem Maßstab stattgefunden. Der jetzt erstmals groß angelegte, grenzübergreifende und inklusive Vermittlungsansatz der Kulturstiftung und der AGDM wurde mit großer Zustimmung angenommen.

Abschlusspanel

Abschluss der Tagung mit (v.l.) Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, Bernard Gaida, Sprecher der AGDM, Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung, Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär a.D.

 

Zum Abschluss der Konferenz am 3. Oktober erinnerten Hartmut Koschyk, Reinfried Vogler und Bernard Gaida, Sprecher der AGDM und Vorsitzender des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), an die Bedeutung der Heimatvertriebenen, Spätaussiedler aber auch der deutschen Minderheiten für Deutschland und die Wiedervereinigung. In seiner Ansprache zum Tag der Deutschen Einheit sagte Bernard Gaida: „Der Leitgedanke des Tages der Deutschen Einheit dieses Jahr lautet ‚Wir miteinander‘ und wir Angehörige der deutschen Minderheiten verstehen diese Worte eindeutig so, dass wir zu dieser Einheit auch gehören.“

Folgetagungen in dem in Dresden erstmals ausgerichteten Format unter dem Motto „Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten der gleichen Medaille“ sollen künftig jährlich stattfinden.

Gruppenbild der Tagungsteilnehmer

„Heimatvertriebene und Heimatverbliebene zeigen Zusammenhalt in Dresden“ (ganz vorne mit blauer Krawatte Dr. Jens Baumann)

Das gesamte erste Diskussionspanel und die Grußworte zum Tag der Deutschen Einheit sind als Aufzeichnung auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung abrufbar:
www.bit.ly/kulturstiftungvideo

Weitere Informationen zur Tagung und den einzelnen Diskussionen finden Sie in unserem Hintergrundbericht:

2020-10-15-Hintergrundinformationen Heimatvertriebene und Heimatverbliebene

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23. September 2020

Besucher der Ausstellung vor Schautafeln

Auf 33 Schautafeln führt die Ausstellung „Romantik in Preußen“ quer durch die Epoche

 

Wanderausstellung der Kulturstiftung zu Romantik in Preußen gastiert in Frankfurt (Oder)

Gemeinsam mit Dr. Ernst Gierlich, Mitglied des Vorstandes der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, eröffnete Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, am 16. September in der St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder) die Wanderausstellung „Romantik in Preußen – Zwischen Königsberg, Marienburg, Berlin und Köln“, die bereits in Bonn und Düsseldorf gastierte.

Heute wird Preußen eher mit den typischen Tugenden eines an Strenge und Disziplin orientierten aufgeklärten Staatswesens verbunden, nicht unbedingt mit dem Begriff „Romantik“. Doch spielte die Romantik eine bedeutende Rolle für Preußen und Preußen ebenso eine wichtige Rolle für die romantische Theoriebildung. Joseph von Eichendorff sowie E.T.A. Hoffmann waren romantische Dichter und preußische Beamte zugleich.

St.-Marien-Kirche in Frankfurt Oder inmitten von Bäumen

Die St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder) ist bis zum 16. Oktober Gastgeber der Ausstellung „Romantik in Preußen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

 

Die Ausstellung wirft einen Blick auf ausgewählte Aspekte der Romantik in Preußen und die Einflüsse dieser kulturellen Strömung auf die gemeinsame preußische Identität. Die Ausstellung, die bis zum 16. Oktober 2020 in der St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder) gastiert, zeigt die wichtigsten Persönlichkeiten, Orte und Kunstwerke der Romantik auf 33 Schautafeln. Sie fügen sich in den beeindruckenden Raum der Kirche, an deren Neugestaltung auch Karl-Friedrich Schinkel mitwirkte, dem selbstverständlich auch eine Schautafel gewidmet ist.

Henriette Brendler, Leiterin des Kulturbüros der Stadt Frankfurt (Oder), dankte der Kulturstiftung herzlich, dass trotz Corona-Pandemie die Ausstellung wie geplant gezeigt werden kann. Sie hob den großartigen Erfolg der bereits gezeigten Ausstellung der Kulturstiftung zur Backsteinarchitektur im Ostseeraum hervor. Sie sei überzeugt, die Ausstellung „Romantik in Preußen“ werde erneut zahlreiche Besucher anziehen, sagte Frau Brendler anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Geschäftsführer Thomas Konhäuser begrüßte die anwesenden Besucherinnen und Besucher und dankte seinerseits Frau Brendler für die hervorragende Zusammenarbeit. Herr Konhäuser wies in seinem Grußwort auf die große Bedeutung hin, die gerade Ausstellungen wie die der Kulturstiftung haben, tragen diese doch nachhaltig dazu bei, wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum deutschen kulturellen Erbe im Osten Europas in eine breite Öffentlichkeit zu tragen.

Vorstandsmitglied Dr. Gierlich stellte anschließend dar, wie die Romantik für das Staatswesen Preußens wichtig wurde. Im 19. Jahrhundert ging es für Preußen darum, den neu hinzugewonnenen Landesteilen eine gemeinsame kulturelle Basis zu verleihen. Gerade die Romantik habe dabei geholfen, die 1000 Kilometer zwischen Königsberg und Aachen zu überbrücken.

Prof. Dr. Christofer Herrmann bei seinem Vortrag

Seinen Einführungsvortrag widmete Prof. Dr. Christofer Herrmann der Bedeutung der Marienburg für Preußen

 

In seinem einleitenden Vortrag sprach Prof. Dr. Christofer Herrmann, ehemals außerordentlicher Professor am Lehrstuhl für Germanistik der Universität Allenstein/Olsztyn (Polen) und seit 2006 außerordentlicher Professor am Institut für Kunstgeschichte der Universität Danzig/Gdańsk (Polen), über die Wiederentdeckung der Marienburg durch die preußische Gesellschaft und ihre Einordnung als erstes durch königlichen Erlass geschütztes Gebäude in Preußen.

Der Hochmeisterpalast der Marienburg diente 1331–1457 als Residenz für das Oberhaupt des Deutschen Ordens. Nach einem großartigen Erweiterungsbau 1380–1396 zählte der Palast zu den herausragenden, modernsten und stilistisch eigenwilligsten Bauten seiner Art in Europa. Prof. Dr. Hermann folgte in seinem Vortrag der Geschichte des Bauwerks vom vergessenen Relikt zum restaurierungswürdigen Identifikationsobjekt. Auch in der Ausstellung selbst wird diese neue Bedeutung der Marienburg anhand zeitgenössischer Kunstwerke verdeutlicht.

Schautafeln in der St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder)

Die Ausstellung „Romantik in Preußen – Zwischen Königsberg, Marienburg, Berlin und Köln“ zu Gast in der St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder)

 

Weitere Informationen zur Ausstellung finden auf dem Kulturportal unter: https://kulturportal-west-ost.eu/ausstellung-zur-romantik-in-preussen

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22. September 2020

Vogtshaus am Böblinger Marktplatz

Dieses Gebäude am Böblinger Marktplatz teilt sich das Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland mit dem Deutschen Fleischermuseum.

Kulturstiftung vermittelt: Einsatz für den Erhalt des Heimatmuseums Nordböhmisches Niederland in Böblingen

 

Seit Mai dieses Jahres ist die Kunsthistorikerin Birgit Aldenhoff bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für die fachbezogene Beratung der Betreiber von ostdeutschen Heimatsammlungen zuständig. Vorrangiges Ziel ist dabei der Erhalt der Heimatsammlung vor Ort in Trägerschaft der Heimatvertriebenen beziehungsweise deren Nachkommen. Das Beratungsangebot kommt gut an und wird bereits intensiv genutzt. So wandte sich auch Peter Pinkas, zweiter Vorsitzender des Bundes der Niederländer, an die Kulturstiftung.

Im Zuge der Neukonzeption der Böblinger Museumslandschaft besteht bei den Verantwortlichen des Heimatmuseums Nordböhmisches Niederland die Befürchtung, dass man zukünftig keine Räume mehr zur Verfügung haben wird, um die Exponate der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Peter Pinkas, der das Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland in Böblingen seit zehn Jahren ehrenamtlich betreut, wandte sich daher an die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen mit der Bitte um Unterstützung.

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, schrieb daraufhin umgehend an Böblingens Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz, und warb nachdrücklich darum „sich nachhaltig dafür einzusetzen, dass das Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland als lebendiger Ort der Erinnerung im Zuge einer Neukonzeption des Stadtmuseums“ erhalten bleibt. Geschäftsführer Konhäuser wandte sich diesbezüglich auch an die Böblinger Landtags- und Bundestagsabgeordneten. Frau Birgit Aldenhoff von der Kulturstiftung führte ihrerseits vor Ort ein Beratungsgespräch mit Peter Pinkas.

MdB Marc Biadacz und Peter Pinkas mit einem alten Fotoalbum

MdB Marc Biadacz lässt sich von Peter Pinkas die Schätze des Museumsarchivs zeigen

 

Lange Tradition

Die Heimatsammlung des Bundes der Niederländer in Böblingen besteht schon seit 1955 und ist seit 1987 in den oberen Stockwerken der ehemaligen Vogtsscheune am Marktplatz beheimatet. Hier kümmern sich die Mitglieder des Bundes im Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland ehrenamtlich um die Pflege einer einzigartigen Sammlung mit Ausstellungsstücken aus dem Schluckenauer Zipfel. Da sich die Böblinger Museumslandschaft derzeit in einem Neuordnungsprozess befindet, bangen die Böhmisch Niederländer nun aber um ihr traditionsreiches Heimatmuseum.

Nachdem sich die Kulturstiftung eingeschaltet hatte, kam Bewegung in die Causa. In seinem Antwortschreiben verwies Böblingens Oberbürgermeister Dr. Belz Anfang September darauf, dass es derzeit keinen Beschluss gebe, das Heimatmuseum zu verdrängen oder zu schließen und ein solcher Beschluss auch für die nächste Zeit nicht angestrebt werde. In einer schriftlichen Stellungnahme äußerte sich auch Thekla Walker, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, zum Heimatmuseum: „Die Vertriebenen aus dem Nordböhmischen Niederland sind mit ihren Familien heute Teil der Böblinger Gesellschaft und somit Teil der stadtgeschichtlichen Entwicklung Böblingens. Innerhalb einer Darstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Stadt ist auch auf die Geschichte von Vertriebenen einzugehen, die sich in der Stadt niedergelassen und integriert haben.“

Neue Hoffnung schöpften Peter Pinkas und Maximilian Riedel, der sich als Vertreter der jungen Generation im Verein und Heimatmuseum der Böhmisch Niederländer engagiert, bei einem persönlichen Austausch, der auf Initiative des Böblinger CDU-Landtagsabgeordneten Paul Nemeth und des Böblinger CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz vor Ort stattfand. Bei dem Treffen in Böblingen mit dabei war auch Thomas Konhäuser, der Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. Die klare Botschaft nach dem Gedankenaustausch lautet: Das Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland ist eng mit der Stadtgeschichte Böblingens verbunden. Die Stadt Böblingen sollte die 1964 übernommene Patenschaft tatkräftig erneuern, anstatt über eine mögliche Museumsschließung nachzudenken.

MdL Paul Nemeth (CDU), Peter Pinkas (Bund der Niederländer), Maximilian Riedel, MdB Marc Biadacz (CDU), Thomas Konhäuser (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen) vor dem Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland in Böblingen

Ortsbesuch im Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland mit (v.l.) MdL Paul Nemeth (CDU), Peter Pinkas (Bund der Niederländer), Maximilian Riedel, MdB Marc Biadacz (CDU), Thomas Konhäuser (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen)

 

Termin vor Ort

Bei dem gemeinsamen Rundgang durch das Museum, begleitet von Peter Pinkas, Maximilian Riedel und Thomas Konhäuser, bekräftigten beide Abgeordnete, die familiäre Wurzeln im ehemaligen Sudetenland beziehungsweise in Oberschlesien haben, ihre Unterstützung für einen Erhalt des Museums in der Vogtsscheune. Das Heimatmuseum Nordböhmisches Nieder-land spiegelt in einzigartiger Weise mit kulturhistorisch bedeutenden Gegenständen wie Glaserzeugnissen, Webereien, Textilien, Weihnachtskrippen, Madonnen, Gemälden, Landschaftsreliefs, Architekturmodellen sowie weiteren Kulturgütern und Alltagsgegenständen das Leben, die Geschichte und die Mentalität der Deutschen im nordböhmischen Niederland wider.

„Auch wenn immer weniger Menschen persönliche Erinnerungen an Flucht und Vertreibung haben, ist das Erinnern weiterhin wichtig. Und gerade in der heutigen Zeit kann die beispielhafte Integration der nordböhmischen Niederländer in Böblingen vielen Zuwanderern als großes Vorbild dienen“, erklärte Paul Nemeth. „Wenn es die Museen oder Heimatstuben nicht mehr gibt, schwinden die Möglichkeiten, etwas über die Vergangenheit herauszubekommen, drastisch. Denn hier hat jedes einzelne Ausstellungsstück seine eigene Geschichte“, fügte Nemeth hinzu.

„Das Verhindern von möglichen Schließungen von Heimatstuben muss die Königsdisziplin unserer Arbeit sein“, sagte der Geschäftsführer der Kulturstiftung Thomas Konhäuser beim Termin im Heimatmuseum. „Und gerade hier in Böblingen muss eine Schließung unbedingt verhindert werden. Denn die Heimatstube erzählt vom Neustart gleich zahlreicher Vertriebener, die im zwischen August und Oktober 1946 in drei Eisenbahnzügen in Böblingen ankamen. Und man kann an dieser Stelle denke ich sagen, dass Böblingen in vielen Dingen ohne den Zuzug von Vertriebenen aus verschiedenen Regionen nicht da stehen würde, wo es heute steht“, machte Thomas Konhäuser deutlich.

Die überaus positive Reaktion war auch für Peter Pinkas und seinen designierten Nachfolger Maximilian Riedel ein Grund zum Aufatmen. In einem Beitrag in der Vereinszeitschrift „Unser Niederland“ (UN) schreibt Herr Pinkas dann auch: „Ich freue mich, liebe Leser, Ihnen heute bessere Nachrichten übermitteln zu können, als in der letzten UN. Nach den letzten Ereignissen blicken wir wieder mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft.“

 

Gemeinsame Pressemitteilung von MdL Paul Nemeth und MdB Marc Biadacz (pdf-Datei):
2020-09-17 PM Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland

Beitrag von Peter Pinkas in „Unser Niederland“ (pdf-Datei):
Unser Niederland – Politiker für Erhalt des Heimatmuseums
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16. September 2020

Haus Schlesien

Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott war Tagungsort am 10. und 11. September 2020

 

Kulturstiftung verbindet: Dialogveranstaltung 2020 in Haus Schlesien

 

Um die Verstetigung einer Plattform zu befördern, auf welcher Bund, Länder und Wissenschaft mit den Institutionen der Vertriebenen zusammenkommen, richtete die Kulturstiftung im vergangenen Jahr erstmalig eine Informations- und Begegnungstagung aus. Unter dem Titel „Landsmannschaften und Kultureinrichtungen der Vertriebenen im Dialog mit Bund, Ländern und Wissenschaft“ wurde über die Arbeit informiert, Synergieeffekte wurden ausgelotet und Kooperationsprojekte angestoßen.

Als Fortsetzung dieser nunmehr alljährlich ausgerichteten Begegnungen, hatte die Kulturstiftung am 10. und 11. September in das Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott erneut zu einer Dialogveranstaltung geladen. In sechs prominent besetzten Diskussionsblöcken wurden Themen von der Rettung von Heimatsammlungen bis zur Vernetzung wissenschaftlicher Einrichtungen besprochen.

Unter den wachsamen Augen der Büste Joseph von Eichendorffs, die den nach ihm benannten Saal im Haus Schlesien ziert, konnte die Kulturstiftung dem großen Wunsch nach Kommunikationsvermittlung nachkommen, der schon bei den Veranstaltungen zur Erarbeitung eines Förderkonzepts im letzten Jahr sehr deutlich geworden war. Gerade 2020 war der persönliche Austausch zwischen den Akteuren durch die Corona-Pandemie bislang zu kurz gekommen. Nach einleitenden Worten von Reinfried Vogler, dem Vorstandsvorsitzenden der Kulturstiftung, und Thomas Konhäuser, dem Geschäftsführer der Kulturstiftung, begann die zweitätige Tagung.

Panelteilnehmer zu Heimatsammlungen

Das erste Panel mit (v.l.) Barbara Kämpfert, Silke Findeisen, Anna Janesch, Birgit Aldenhoff, Maximilian Riedel, Dr. Hans-Jakob Tebarth, Thomas Konhäuser

 

Beim ersten Themenblock unter dem Titel „Sichtbar bleiben: Bewahrung der Heimatsammlungen und Archive“ wurde bereits zum Auftakt der Veranstaltung ein wichtiges Problemfeld erörtert. Viele Heimatstuben und Heimatmuseen plagen Zukunftssorgen, einige mussten bereits aufgegeben werden. Über die Probleme des Heimatmuseums Nordböhmisches Niederland und die Hilfe der Kulturstiftung bei deren Lösung berichtete Maximilian Riedel, der sich in der Sammlung engagiert. Silke Findeisen, die die Bibliothek und das Archiv im Haus Schlesien betreut, sprach über Heimatsammlungen, die in Königswinter-Heisterbacherrott eine neue Heimat fanden. Dass man Archivbestände auch digitalisieren lassen und so weltweit zugänglich machen kann, erläuterte Dr. Hans-Jakob Tebarth, Direktor der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ der Kulturstiftung, das Birgit Aldenhoff, Wissenschaftliche Referentin für Kunstgeschichte und Heimatsammlungen, Barbara Kämpfert, Wissenschaftliche Projektassistentin, und Dr. Ernst Gierlich, Vorstandsmitglied der Kulturstiftung, auf der Tagung vorstellten. Anna Janesch, die die Heimatsammlung in Wiehl betreut, hat die Arbeit der Kulturstiftung in ihrer Sammlung bereits erlebt und sprach über diese Chance, die wertvollen Ausstellungsstücke auch für kommende Generationen erhalten zu können. Das Projekt erntete viel Lob und so ist zu hoffen, dass es im nächsten Jahr auch über die Landesgrenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus ausgeweitet werden kann. Im Publikum saß dabei auch Heiko Hendriks, Landesbeauftragter für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern in Nordrhein-Westfalen, der die positive Resonanz begrüßte.

Teilnehmer des zweiten Panels zu Öffentlichkeitsarbeit

Themenblock Öffentlichkeitsarbeit mit (v.l.) Carsten Becher, Tomáš Randýsek, Marcel Pauls, Dr. Harald Roth, Thomas Konhäuser

 

Um Außenwirkung drehte sich auch das anschließende Themengebiet der Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Zeitalter. Deutlich wurden hier die Unterschiede zwischen einzelnen Organisationen, die den Schritt in die vernetzte Welt bereits gewagt haben und jenen, die noch nach dem richtigen Zugang dazu suchen. Im Gespräch beschrieben Carsten Becher, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Landmannschaft Schlesien, Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa, und Marcel Pauls, Mitglied des Bundesvorstandes des Bundes der Danziger, welche Wege ihre Organisationen eingeschlagen haben. Viele ähnliche Erfahrungen verdeutlichten dabei, dass man voneinander lernen und so Fehler vermeiden kann. Die Kulturstiftung bietet dafür mit Tomáš Randýsek, ihrem neuen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit, eine helfende Hand.

Teilnehmer des dritten Panels zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit

Der Themenblock zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit (v.l.) Dr. Bärbel Beutner, Christian Toop, Dr. Rudolf Landrock von der BRUNA, Thomas Konhäuser, Renata Trischler, Dietmar Schulmeister von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

 

Unterschiedliche Erfahrungen machten die Teilnehmer des dritten Panels zum Thema „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Möglichkeiten nutzen – Ideen verbinden“. Bei einigen Landsmannschaften läuft die Kooperation mit den deutschen Minderheiten und den Behörden in ihrer Heimatregion sehr gut, wie etwa Christian Toop, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Gesellschaft, erklärte. Es gibt aber auch einige Problemgebiete, wie etwa Russlands Exklave Königsberg (Kaliningrad), wo den Bemühungen um Verständigungsprojekte eher Steine in den Weg gelegt werden. Dennoch will Dr. Bärbel Beutner, Kulturreferentin der Landsmannschaft Ostpreußen, auch hier nicht aufgeben. Mit immer neuen Initiativen baut sie zusammen mit vielen weiteren jene Brücken, die Völker verbinden. Das würdigte auch Renata Trischler, Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (AGDM) in der FUEN, die die Bereitschaft der AGDM zur Vermittlung unterstrich.

Der erste Tag endete beim informellen Austausch, der gerade für die Vernetzung unerlässlich ist und bei reinen Online-Veranstaltungen oft zu kurz kommt. Schon hier kamen die Teilnehmer der Tagung mit konkreten Wünschen auf die Kulturstiftung zu. Als Schnittstelle zwischen Landsmannschaften, Politik und Wissenschaft erfüllt die in diesem Jahr neu aufgestellte Kulturstiftung so einen Bedarf, der lange Zeit nur ungenügend bedient wurde.

Teilnehmer des dritten Panels zu Kulturarbeit nach §96

Themenblock zur Kulturarbeit nach §96 mit (v.l.) Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten, Christian Knauer, Dagmar Seck, Wilhelmine Schnichels, Margarete Ziegler-Raschdorf, Thomas Konhäuser

 

Die Effizienz der Vernetzung der Akteure, die sich um die Kulturarbeit nach §96 kümmern, war dementsprechend auch das Einstiegsthema für den zweiten Tag. Margarete Ziegler-Raschdorf, Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, machte den Anwesenden Mut, sich mit ihren Sorgen direkt an die entsprechenden Stellen zu wenden. Viele Ehrenamtliche wüssten oft nicht, dass Fördermöglichkeiten bestehen. Christian Knauer, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), wies darauf hin, dass auch der BdV Beratung anbietet, jedes Bundesland aber andere Anforderungen an diese Arbeit hat. Dagmar Seck vom Verband der Siebenbürger Sachsen und Wilhelmine Schnichels von der Donauschwäbischen Kulturstiftung berichteten vom Dschungel der Förderrichtlinien. Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen erklärte die politischen Vorgaben, aber auch die Bereitschaft der Behörden, auf Verbesserungsvorschläge einzugehen.

Teilnehmer des dritten Panels zur Vernetzung mit wissenschaftlichen Einrichtungen

Diskussion zur Vernetzung mit wissenschaftlichen Einrichtungen mit (v.l.) Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten, Christina Eiden, Dr. Kathleen Beger, Dr. Heinke Fabritius, Andreas Gundrum

 

Auch beim zweiten Themenblock des Tages, der die Vernetzung mit wissenschaftlichen Einrichtungen in den Fokus rückte, zeigte sich, dass hier noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen. Dr. Kathleen Beger, Wissenschaftliche Referentin der Kulturstiftung für (Zeit-)Geschichte, Staats- und Völkerrecht sowie Literatur, sprach darüber mit Christina Eiden vom Bukowina-Institut der Universität Augsburg, Dr. Heinke Fabritius vom Siebenbürgischen Museum, Andreas Gundrum von der Landsmannschaft der Oberschlesier und Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten. Bemängelt wurde vor allem, dass ein Überblick über die interessierten Forscher und wissenschaftlichen Einrichtungen besteht. Bei der Kulturstiftung entsteht nun ein Netzwerk, das unter anderem diese Aufgabe erfüllen soll.

Teilnehmer des Panels zur Nachwuchsgewinnung

Themenblock Nachwuchsgewinnung mit (v.l.) Tomáš Randýsek, Dr. Kathleen Beger, Roland Zillmann vom Bund der Vertriebenen, Dietmar Schulmeister von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Carsten Becher, Thomas Konhäuser

 

Den Abschluss der Tagung bildete das Thema der Nachwuchsgewinnung, das wohl alle Vereine und Einrichtungen gleichermaßen betrifft. Rückblickend auf Tag eins wurde die Außendarstellung der Kulturarbeit zu einem zentralen Punkt der Diskussion. Man müsse auf die Interessen der Jugend eingehen und ihr einen Mehrwert für die Mitarbeit bieten, wenn man sie für das kulturelle Engagement begeistern wolle. Auch hier gibt es bereits erfolgreiche Projekte, die nachahmenswert sind und die Notwendigkeit der besseren Vernetzung untereinander aufzeigen, über Landes- und Landsmannschaftsgrenzen hinweg.

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, mit Mund-Nasen-Schutz

Keine Chance für Corona. Ein professionelle Hygienekonzept sorgte für eine sichere Tagungsatmosphäre.

 

Dank der Gastfreundschaft im Haus Schlesien, dem Sitz der Landsmannschaft Schlesien, konnte so eine überaus erfolgreiche Tagung abgeschlossen werden. Viele Teilnehmer nutzten noch das Angebot zur Besichtigung des zum Haus gehörenden Museums, das viele Ausstellungsstücke aus Schlesien zeigt. Vor allem aber war man sich einig im Dialog zu bleiben.

 

 

 

( Einen ausführlichen Tagungungsbericht zum Download finden Sie in Kürze hier. )

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20. August 2020

Éva Pénzes, Generalsekretärin der FUEN - Federal Union of European Nationalities, und Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung

Éva Pénzes, Generalsekretärin der FUEN – Federal Union of European Nationalities, und Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung

 

FUEN zu Besuch bei der Kulturstiftung

 

Die Generalsekretärin der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), Éva Pénzes, hat sich heute zu einem Arbeitsgespräch mit dem Geschäftsführer der Kulturstiftung, Thomas Konhäuser, getroffen. Hintergrund war die Planung einer Kooperationsveranstaltung zum Thema „Minderheitenschutz und Volksgruppenrechte in Mittel und 0steuropa“. Bereits Ende Februar hatte der Präsident der FUEN und Mitglied des Europäischen Parlaments, Loránt Vincze, zu einer derartigen Kooperationsveranstaltung sein Einverständnis gegeben.

Februar 2020: FUEN-Präsident Loránt Vincze MdEP und der Geschäftsführer der Kulturstiftung, Thomas Konhäuser

Februar 2020: FUEN-Präsident Loránt Vincze MdEP und der Geschäftsführer der Kulturstiftung, Thomas Konhäuser

 

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18. August 2020

Thomas Konhäuser (l.), Geschäftsführer der Kulturstiftung, mit Dr. Andreas Apelt, Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Gesellschaft

Thomas Konhäuser (l.), Geschäftsführer der Kulturstiftung, mit Dr. Andreas Apelt, Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Gesellschaft

 

Kulturstiftung zu Gast bei der Deutschen Gesellschaft

 

Der Geschäftsführer und wiss. Leiter der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Thomas Konhäuser, hat sich in Berlin mit dem Bevollmächtigten des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft, Dr. Andreas Apelt, getroffen. Im Mittelpunkt des Gespräches stand eine gegenseitige Vorstellung aktueller Projekte. Ebenfalls wurden verschiedene konkrete Möglichkeiten einer projektbezogenen Zusammenarbeit im kommenden Jahr intensiv erörtert. An dem Gespräch nahmen auch der bei der Kulturstiftung zuständige Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Tomáš Randýsek, sowie der für den Bereich Politik & Geschichte zuständige Referent, Vincent Regente, von der Deutschen Gesellschaft teil.

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06. August 2020

Gäste des Tages der Heimat des BdV 2020 in Bad Cannstatt

(v.l.) Stephan Rauhut, Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung und Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien, Christian Knauer, Kuratoriumsmitglied der Kulturstiftung und Vizepräsident des BdV, Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, und Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung – Foto: Stephan Rauhut

 

Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen – das „Grundgesetz“ der deutschen Heimatvertriebenen – feierte ihr 70. Jubiläum

 

Anlässlich des 70. Jahrestages der Unterzeichnung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen fand gestern der diesjährige Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Stuttgart statt, dem Gründungsort der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. In Stuttgart-Bad Cannstatt wurde am 6. August 1950 die tags zuvor unterzeichnete Charta feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Bad Cannstätter Kurpark erinnert heute das Charta-Mahnmal an dieses wichtige Bekenntnis der Vertriebenen zu einem gemeinsamen, freien und friedlichen Europa.

Bei der feierlichen Kranzniederlegung sprachen neben Dr. Bernd Fabritius, Präsident des BdV, auch Iris Ripsam, Landesvorsitzende des BdV in Baden-Württemberg, und Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg. Unter den Gästen waren zudem auch Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, sowie Stephan Rauhut, Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung und Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien.

Die Charta prägt das Selbstverständnis und das Handeln der deutschen Heimatvertriebenen wie kein zweites Dokument und gibt ihnen bis heute Halt und Orientierung. Aber auch für die deutsche Politik war und ist die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ein wichtiger Ankerpunkt. Die Charta gehört heute unzweifelhaft zu den grundlegenden politischen Dokumenten Nachkriegsdeutschlands.

In seinem schriftlichen Grußwort erklärte Bundespräsident Steinmeier in diesem Geiste:

Schon sehr früh nach dem Krieg haben die Heimatvertriebenen mit ihrer Charta auch ganz offiziell einen Verzicht auf Rache oder Vergeltung erklärt. Sie haben damit nicht nur ihren Beitrag zum inneren Frieden im Nachkriegsdeutschland geleistet. Sie haben auf ihre Weise ganz persönlich die Konsequenzen einer Schuld auf sich genommen, die das ganze Volk auf sich geladen hatte. Und sie haben mit der Charta letzten Endes auch dazu beigetragen, dass – unter anderem mit den Ostverträgen der sozialliberalen Koalition nach 1969 – der Weg zur Versöhnung mit den polnischen Nachbarn und zum friedlichen Zusammenleben mit den Völkern der damaligen Sowjetunion sich öffnete.“

 

Stephan Rauhut und Reinfried Vogler in Bad Cannstatt

Gäste des Tages der Heimat 2020 in Bad Cannstatt waren auch Stephan Rauhut (links), Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung und Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien und Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung. – Foto: Stephan Rauhaut

 

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Bundes der Vertriebenen:

Deklaration des BdV-Präsidiums zum 70. Jubiläum der Charta der deutschen Heimatvertriebenen.

Weiterführende Informationen zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen.

Schriftliche Grußworte zum Tag der Heimat 2020 von Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie den Ministerpräsidenten der Länder und den Parteivorsitzenden von CDU, SPD und FDP.

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05. August 2020

Renata Trischer und Thomas Konhäuser am Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Berlin

Gemeinsame Kranzniederlegung am Berliner Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung durch Renata Trischler, Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM), und Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Gemeinsames Gedenken der Kulturstiftung und der AGDM: 70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen

 

Heute vor 70 Jahren, am 5. August 1950, wurde in Stuttgart die Charta der deutschen Heimatvertriebenen verabschiedet. Damals, nur wenige Jahre nach den Gräueln von Krieg, Flucht und Vertreibung, bekannten sie sich zum Aufbau eines gemeinsamen Europas und Deutschlands. Mit der verabschiedeten Charta setzte man eindrucksvoll ein Zeichen für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Völkerverständigung, ohne dabei das Gedenken an die Vertreibung außer Acht zu lassen. Ausdrücklich heißt es in der Charta, dass die Heimatvertriebenen auf Vergeltung verzichten und die Schaffung eines geeinten Europas, in dem die Völker gleichberechtigt ohne Furcht und Zwang leben können, sowie den Wiederaufbau Deutschlands und Europas nachhaltig unterstützen wollen.

Wenn wir am heutigen Tag an die Unterzeichnung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen erinnern und dass das erlittene Leid der Vertreibung  diese nie daran gehindert hat, die Verständigung  mit unseren Nachbarn im Osten zu suchen, sollten wir uns auch das Schicksal der Heimatverbliebenen ins Bewusstsein rufen.  In den meisten Staaten des östlichen Europas waren die Heimatverbliebenen lange Zeit Repressalien ausgesetzt, wenn sie sich zur eigenen deutschen Sprache und Identität öffentlich bekannten. Auch sie hatten ihre Heimat verloren.

Thomas Konhäuser und Renata Trischler vor der Ewigen Flamme in Berlin

Renata Trischler, Leiterin des AGDM-Koordinierungsbüros, und Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, vor der Ewigen Flamme in Berlin

 

Gleichermaßen verfolgen Heimatvertriebene und Heimatverbliebene heute einen partizipativen Ansatz in ihrer Kulturarbeit und haben gemeinsame Ziele und Anliegen auf der Grundlage eines geeinten Europas im Geiste der Charta von 1950. Der Charta der deutschen Heimatvertriebenen liegt ein gesamteuropäisches Interesse zugrunde – die Mahnung, dass Vertreibungen geächtet und nie wieder möglich sein dürfen. Zugleich ist sie eine fortwährende Verpflichtung für uns alle, sich für ein dauerhaft geeintes und friedliches Europa einzusetzen, in dem gerade auch neben den Völkern die Volksgruppen eine gesicherte Zukunftsperspektive durch verbriefte Minderheitenrechte haben müssen.

Wenn junge Menschen von heute die Charta lesen, wird sich ihnen der hohe sittliche und historische Rang dieses Dokuments vielleicht nicht gleich auf Anhieb erschließen, weil sie manches für selbstverständlich halten, was damals ganz und gar nicht selbstverständlich war. Man muss sich schon in das Jahr 1950 zurückversetzen, in die verzweifelte Lage der Vertriebenen, die alles verloren hatten und mit ihren grauenvollen Erinnerungen an Krieg, Leid und Vertreibung zu Millionen in Lagern und Notunterkünften lebten. Wir haben daher allen Grund, heute den Verfassern und den späteren Umsetzern der Charta der deutschen Heimatvertriebenen zu danken.

Gedenkkranz der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und der AGDM

Gemeinsamer Gedenkkranz der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten in der FUEN mit dem Gedenkband „Gemeinsam in stillem Gedenken“

 

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04. August 2020

 

Unterzeichner des Abkommens auf Gruppenfoto

Die Unterzeichner des Wiesbadener Abkommens bei einer Vorbesprechung in London zu sehen: v.l.: Eugen de Witte,Dr. Karel Locher, Dr. Rudolf Lodgman von Auen, General Lev Prchala, Richard Reitzner und Hans Schütz

70 Jahre Wiesbadener Abkommen

 

Heute vor 70 Jahren, am 4. August 1950, unterzeichneten Vertreter der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen und Mitglieder des Tschechischen Nationalausschusses im Exil das Wiesbadener Abkommen. Es war das erste gemeinsame deutsch-tschechische Dokument der Verständigung und Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Wiesbadener Abkommen steht in einer engen zeitlichen und auch politischen Beziehung zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen, die am Tag darauf feierlich in Stuttgart unterzeichnet wurde. In diesem Schlüsseldokument der deutschen Nachkriegsgeschichte haben die deutschen Heimatvertriebenen einerseits ihr Recht auf die angestammte Heimat betont, andererseits aber auch die Hand zur aufrichtigen Versöhnung mit den östlichen Nachbarn ausgestreckt.

Klares Bekenntnis

Das klare Bekenntnis der Charta zu einem geeinten, demokratischen Europa in Frieden und Freiheit findet auch bereits im ersten Punkt des Wiesbadener Abkommens seinen Ausdruck: „Beide Teile stehen auf dem Boden der demokratischen Weltanschauung und lehnen jedes totalitäre System ab. Beide Teile betrachten eine demokratische Ordnung der Verhältnisse im böhmisch-mährisch-schlesischen Raum als einen Teil des Kampfes für ein einheitliches Europa.“

Auch die hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, gedenkt der Unterzeichnung des Wiesbadener Abkommens mit einer Presseinformation:
https://innen.hessen.de/presse/pressemitteilung/70-jahre-wiesbadener-abkommen

Den Wortlaut des Wiesbadener Abkommens finden Sie auf den Seiten der Sudetendeutschen Landsmannschaft Hessen: http://www.sudetendeutsche-in-hessen.de/text_wiesbaden.htm

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14. Juli 2020

Anna Janesch bereitet eine Tracht an einer Puppe für Aufnahmen vor

Anna Janesch, Leiterin der Heimatstube in Wiehl, bereitet eine Patriziertracht für die Aufnahmen vor


Kulturstiftung digitalisiert Siebenbürger Heimatstube in Wiehl

 

Das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen war am 9. Juli in der Heimatstube der Siebenbürger Sachsen in Wiehl zu Gast. Dabei wurden ausgewählte Ausstellungsstücke fotografiert und die Heimatstube für eine 360-Grad-Rundumsicht aufgenommen. Aus diesen Aufnahmen entsteht eine virtuell begehbare Heimatstube, die zusammen mit zunächst elf weiteren Heimatstuben aus Nordrhein-Westfalen auf einer eigenen Webseite weltweit zugänglich gemacht wird.

Das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Leuchtturmprojekt dient nicht nur der Bewahrung des aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa mitgebrachten deutschen Kulturguts, sondern leistet insgesamt einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung der Geschichte und Kultur der Deutschen im östlichen Europa.

Blick in die Heimatstube mit Trachtenpuppen und Nachtgebet an der Wand

Einblick in die Siebenbürger Stube in Wiehl

 

Das Bundesland hatte bereits 1957 die Patenschaft für die Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen übernommen. Ihre Heimatstube in Wiehl befindet sich im Kulturhaus Drabenderhöhe am Siebenbürger Platz. Die Ortschaft Drabenderhöhe selbst wurde in den 1960er Jahren zur größten siebenbürgischen Siedlung in Deutschland, als Bewohner aus 190 der ursprünglich 250 Heimatorte in Siebenbürgen hierherzogen. Auch heute ist der Ort ein Zentrum siebenbürgischen Lebens in Deutschland und wurde bereits von drei Bundespräsidenten, Carl Carstens, Richard von Weizsäcker und Johannes Rau, mit einem Besuch geehrt.

Siebenbürger Trachtenschatz

Besonders stolz ist man in der Heimatstube der Siebenbürger Sachsen in Wiehl auf die Trachtenpuppen, die Volks- und Prunktrachten aus Siebenbürgen zeigen. Etwa 15 lebensgroße und ebenso viele kleine Puppen stellen Erwachsenen- und Kinderkleidung aus. Sie werden mit viel Aufwand und Hingabe von Anna Janesch, der Leiterin der Heimatstube, gepflegt. Zusammen mit Brigitte Thomke, jahrelang Heimmutter im Wohn- und Pflegeheim Haus Siebenbürgen, führt Frau Janesch die Trachten auch vor und begleitet Besucher durch die Heimatstube. Mit dem Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ der Kulturstiftung wird ihr diese wichtige Kulturarbeit nun erleichtert. Projektleiterin Elke Wilming und Projektassistent Sascha Gustorf sorgten vor Ort für die fachgerechte inhaltliche Begleitung und technische Umsetzung der Digitalisierung.

Die Webseite mit den ersten zwölf virtuellen Heimatstuben wird Ende des Jahres vorgestellt. Eine Fortsetzung des Projekts „Virtuelle Heimatsammlungen“ ist geplant und auch weitere Bundesländer haben bereits Interesse signalisiert.

 

Zwei Damen in Siebenbürger Tracht

Frau Brigitte Thomke (l.) und Frau Anna Janesch kümmern sich um die Heimatstube in Wiehl

 

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09. Juli 2020

Dr. Hans-Jakob Tebarth, Birgit Aldenhoff und Dr. Kathleen Beger in der Martin-Opitz-Bibliothek

(v.l.) Dr. Hans-Jakob Tebarth, Birgit Aldenhoff und Dr. Kathleen Beger in Lesesaal der Martin-Opitz-Bibliothek mit einem Porträt von Martin Opitz von Bartholomäus Strobel.

Informationsbesuch bei der Martin-Opitz-Bibliothek

 

Birgit Aldenhoff, wissenschaftliche Referentin der Kulturstiftung für Kunstgeschichte und Heimatstuben, und Dr. Kathleen Beger, wissenschaftliche Referentin der Kulturstiftung für (Zeit-)Geschichte, Staats- und Völkerrecht und Literatur, besuchten gestern die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne zum gemeinsamen Austausch mit dem Direktor der Bibliothek, Dr. Hans-Jakob Tebarth. Die Mitarbeiterinnen der Kulturstiftung informieren sich derzeit über neue Möglichkeiten und Ideen der Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen, deren Fachgebiet die deutsche Kultur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa ist.

 

 

Haupteingang der Martin-Opitz-Bibliothek

Benannt ist die Martin-Opitz-Bibliothek (MOB), die sich seit 1989 um die Sammelgebiete Ost-, Mittelost- und Südosteuropa kümmert, nach dem 1591 in Bunzlau (polnisch: Bolesławiec) geborenen schlesischen Barock-Dichter Martin Opitz. Von 1948 bis 1989 hieß die MOB „Bücherei des deutschen Ostens“ und baut heute auf deren Beständen auf.

 

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07. Juli 2020

Thomas Konhäuser und Bernard Gaida auf dem Kulturdialog-Sofa der Kulturstiftung

Thomas Konhäuser (links) im Gespräch mit Bernard Gaida, dem Sprecher der AGDM

 

Kulturstiftung empfängt AGDM-Sprecher Bernard Gaida

 

Der erste offizielle Gast zum grenzüberschreitenden Kulturdialog im Berliner Büro der Kulturstiftung war gestern Bernard Gaida, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) bei der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) und Vorsitzende des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG). Mit Thomas Konhäuser, dem Geschäftsführer der Kulturstiftung, besprach er die Möglichkeit zukünftiger gemeinsamer Projekte. Als erste Veranstaltung ist für Anfang Oktober eine Begegnungstagung in Dresden geplant. Weitere Informationen zur Tagung folgen in Kürze.

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01. Juli 2020

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, am NRW-Landesministerium für Kultur und Wissenschaft

Thomas Konhäuser, neuer Geschäftsführer der Kulturstiftung, stellte den aktuellen Stand des Leuchtturmprojekts “Virtuelle Heimatsammlungen in NRW” beim zuständigen Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen vor.

 

Kulturstiftung stellt Leuchtturmprojekt in NRW vor

 

Bei einem Arbeitstreffen mit dem nordrhein-westfälischen Landesministerium für Kultur und Wissenschaft stellten am 30. Juni 2020 Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Dr. Ernst Gierlich, Vorstandsmitglied der Kulturstiftung, und Elke Wilming, Leiterin des Projekts „Virtuelle Heimatsammlungen“ in Düsseldorf das Leuchtturmprojekt der Kulturstiftung „Virtuelle Heimatsammlungen in NRW“ vor.

Das zunächst auf zwölf Heimatsammlungen in NRW ausgelegte Digitalisierungsprojekt ist ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Deutschen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Mit dem offiziellen Start der zugehörigen Webseite Ende des Jahres werden die professionell abfotografierten Heimatstuben online begehbar. Ihre 3D-gescannten und mit Informationen versehenen Ausstellungsgegenstände können dann im Detail in einem virtuellen Raum betrachtet werden. Für das Jahr 2021 haben bereits weitere Bundesländer Interesse signalisiert.

Überzeugender Einstand

Die erfolgreiche erste Präsentation des vom Land NRW geförderten Projektes fand mit Gruppenleiter Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten und Referatsleiter Bernd Werdin sowie Mitarbeiterinnen aus dem Büro des Landesbeauftragten für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern statt. An der Präsentation nahmen zudem Dr. Hans-Jakob Tebarth, Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek, und Christina Eichmann vom Landesverband NRW des Bundes der Vertriebenen (BdV) teil. Bereits einen Tag zuvor hatte Thomas Konhäuser schon dem neuen Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in NRW, Dr. Guido Hitze, aktuelle Projekte der Kulturstiftung vorgestellt. Gemeinsam besprachen sie auch Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit.

Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, mit Dr. Guido Hitze, dem neuen Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen.

Zukunftsweisendes Arbeitstreffen zwischen Dr. Guido Hitze, dem neuen Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, und dem neuen Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Thomas Konhäuser (links), über aktuelle und mögliche gemeinsame Projekte.

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29. Juni 2020

Projektassistent Sascha Gustorf scannt Keramikvase

Sascha Gustorf, Projektassistent der Kulturstiftung, scannt Bunzlauer Keramik für die virtuelle Heimatstube

 

Kulturstiftung digitalisiert Bunzlauer Heimatstube in Siegburg

 

Die Bunzlauer Heimatstube in Siegburg stand in der letzten Woche im Mittelpunkt der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen im Rahmen des von ihr durchgeführten Projekts „Virtuelle Heimatsammlungen“. Ziel war die Digitalisierung von ausgewählten Objekten, eine 360 Grad Erfassung der Heimatstube und ein Austausch über die aktuelle Situation des Kultur- und Heimatortes. Gefördert wird das Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Begleitet wurden Projektleiterin Elke Wilming und Projektassistent Sascha Gustorf von der Kunsthistorikerin Birgit Aldenhoff, die seit Anfang Mai bei der Kulturstiftung ihre Beratungstätigkeit für die Betreiber ostdeutscher Heimatsammlungen aufgenommen hat.

Birgit Aldenhoff im Gespräch mit Jochen Wiesner und Ferdinand Idasiak

Birgit Aldenhoff, wissenschaftliche Referentin für Kunstgeschichte und Heimatstuben der Kulturstiftung, im Gespräch mit Jochen Wiesner und Ferdinand Idasiak (1.v.r.) in der Bunzlauer Heimatstube

Bereits im Februar 2019 unterzeichneten die Bundesheimatgruppe Bunzlau und Haus Schlesien einen Schenkungsvertrag. Ausdrücklicher Wunsch der Bundesheimatgruppe war und ist die Ausleihe der Objekte an weitere interessierte Museen, insbesondere an das Keramikmuseum in Bunzlau (polnisch: Bolesławiec) und an das Stadtmuseum Siegburg. Die Exponate sollen nach und nach in das Inventarisierungsprogramm von Haus Schlesien aufgenommen und als Dauerleihgaben in anderen Museen bzw. im Haus Schlesien in Königswinter gezeigt werden.

Die Stube beherbergt eine ausgezeichnete Sammlung der beliebten Keramik aus dem niederschlesischen Bunzlau. Außerdem verfügt sie über eine Bildersammlung und über eine umfangreiche Fachbibliothek zur Stadt und zum Kreis Bunzlau. Sie ist aber mehr als nur ein Ausstellungs- und Arbeitsraum. Hier werden Erinnerungen an die Menschen festgehalten, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Niederschlesien flüchten mussten und in der Keramikstadt Siegburg und ihrer Umgebung eine neue Heimat fanden.

Die Heimatstube, die von einem Kreis engagierter Siegburger und überregionaler Heimat- und Keramikfreunde geleitet wird, leidet wie viele andere Organisationen an einer Überalterung ihrer Mitglieder. Die bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen eingerichtete Beratungsstelle wird künftig Assistenz leisten, um möglichst viele Heimatsammlungen vor Ort als erlebbaren Erinnerungsort zu bewahren.

Vitrine mit Bunzlauer Keramik

Bunzlauer Keramik in der Bunzlauer Heimatstube in Siegburg

 

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20. Juni 2020

Aufruf der Beauftragten der Länder anlässlich des bundesweiten “Nationalen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung” am 20. Juni 2020.

Hier der Aufruf als Download

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5. Juni 2020

 

(v.l.) Thomas Konhäuser, Dr. Ernst Gierlich, Reinfried Vogler, Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf, Stephan Rauhut und Landesbeauftragter Heiko Hendriks

Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen im Dialog mit den zuständigen Landesbeauftragten

 

Im vergangenen Jahr hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages für die Jahre 2020 bis 2024 finanzielle Fördermittel in Höhe von je 500 Ts. Euro für die Neuausrichtung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen bereitgestellt. Grundlage hierfür war ein vom heutigen Geschäftsführer Thomas Konhäuser durchgeführtes Projekt zur Erarbeitung eines Konzepts zur Stärkung der eigenständigen Kulturarbeit, wie diese bereits seit Jahren von den Vertriebenenorganisationen gefordert wird.

In der Geschäftsstelle der Kulturstiftung in Bonn fand eine Dialogveranstaltung mit den zuständigen Landesbeauftragten statt, um diese über den Stand der Neuausrichtung der Kulturstiftung zu informieren und die Aufgabengebiete der neu eingestellten Mitarbeiter vorzustellen. 

An dem Gespräch nahmen neben der hessischen Landesbeauftragten Margarete Ziegler-Raschdorf und dem nordrhein-westfälischen Landesbeauftragten Heiko Hendriks  via Videoschaltung auch der sächsische Landesbeauftragte Dr. Jens Baumann, sowie in Vertretung die zuständigen Büroleiter der bayerischen Landesbeauftragten Sylvia Stierstorfer MdL, Frau Clara Müller, und der niedersächsischen Landebeauftragten, Editha Westmann MdL, Dr. Christopher Spatz, teil.

In ihren Grußworten betonten der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung Reinfried Vogler und der Vorsitzende des Kuratoriums, Stephan Rauhut, dass man mit der Arbeit der Kulturstiftung an einer entscheidenden Wegmarke stehe: Sachlich könne man auf Bewährtem aufbauen, für die Zukunft habe man aber jetzt eine Basis und die Chance, mit verstärkter Kraft auch Neues in Angriff zu nehmen und Zukunft neu zu gestalten. Das beinhalte auch, über Organisations- und andere Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, Hilfe zu leisten und Kräfte zu bündeln, wo es sachlich möglich oder erforderlich ist.

Der ab 1. Mai als Geschäftsführer der Kulturstiftung tätige Thomas Konhäuser dankte den anwesenden und zugeschalteten Landesbeauftragten bzw. deren Vertretern für ihre Teilnahme an der Gesprächsrunde. Gerade ein regelmäßiger enger Austausch mit den zuständigen Landesbeauftragten sei im Zuge der Neuausrichtung der Kulturstiftung von entscheidender Bedeutung.

Geschäftsführer Konhäuser erläuterte die Aufgabengebiete der neu eingerichteten „Referate“. Im Anschluss stellten sich die für die Geschäftsstelle in Bonn und die neue Dependance in Berlin der Stiftung eingestellten Mitarbeiter vor. So ist fortan die Kunsthistorikerin Birgit Aldenhoff bei der Kulturstiftung für die fachbezogene Beratung der Betreiber von ostdeutschen Heimatsammlungen zuständig. Die Absolventin der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn war nach ihrem Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Klassischen Archäologie u.a. für das Bundesarchiv Koblenz, das Haus der Geschichte in Bonn und das Arpmuseum Bahnhof Rolandseck tätig und ist fachkundig in der Konzeption von Ausstellungen, Provenienzforschung, Kunst- und Kulturvermittlung sowie in nachhaltiger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zu ihrem künftigen Aufgabengebiet gehört u.a. die Assistenz der Heimatstuben bei der Konservierung und Inventarisierung der Bestände sowie bei der Steigerung der Attraktivität von deren Präsentation. Vorrangiges Ziel ist der Erhalt der Heimatsammlung vor Ort in Trägerschaft der Heimatvertriebenen bzw. deren Nachkommen. Bei Bedarf wird aber auch Unterstützung geleistet, wenn Bestände in ein kommunales oder überregionales Museum oder in eine Einrichtung der Herkunftsgebiete überführt werden sollen. Daneben wird Frau Aldenhoff auch den wissenschaftlichen Fachbereich Kunstgeschichte betreuen.

Der Diplom-Kaufmann Christian Bronder ist für den Bereich „Finanzielle Förderungen“ zuständig und bietet für die Einrichtungen der eigenständigen Kulturarbeit der deutschen Heimatvertriebenen fachbezogene Assistenz an. Der Absolvent der Fachhochschule für Wirtschaft (Berlin) und der Anglia Ruskin University (Cambridge u. Chelmsford UK) war nach seinem Studium der BWL viele Jahre im Fördergeschäft des Landes Berlin, des Bundes und der EU tätig. Im Rahmen der EU-Erweiterung war er auch regelmäßig als Berater und Multiplikator in den Beitrittsländern engagiert. Darüber hinaus war er im Rahmen der Zusatzqualifikationen SAP-Berater FI/CO und Bilanzbuchhalter (IHK gepr.) auch freiberuflich als beratender Betriebswirt tätig. Zu seinen künftigen Aufgabengebieten bei der Kulturstiftung gehören u.a. die Beratung über Fördermöglichkeiten, Assistenz bei der Erstellung von Förderanträgen und Verwendungsnachweisen sowie die Beratung bei der Einwerbung von Drittmitteln nichtöffentlicher Art.

Frau Dr. Kathleen Beger leitet fortan die wissenschaftlichen Fachbereiche Geschichte/Zeitgeschichte, Staats- und Völkerrecht sowie Literaturgeschichte. Sie hat Ostslawistik, Polonistik und Osteuropäische Geschichte in Leipzig, Kiew und Wien studiert und im Rahmen der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien an der Universität Regensburg im Fach Geschichte promoviert. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Slawistik der Universität Wien und am Lehrstuhl für Geschichte Südost- und Osteuropas der Universität Regensburg, wo sie Forschungs-, Redaktions- und Lehrtätigkeiten wahrgenommen hat.

Den Bereich Öffentlichkeitsarbeit wird fortan Tomáš Randýsek betreuen, der an der Humboldt-Universität zu Berlin Bohemistik und Neuere deutsche Literatur studierte. Herr Randýsek arbeitete für den Termindienst der Nachrichtenagentur dapd (zuvor ddp) in Berlin und als Entsandter des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Prag als Redakteur für die Landeszeitung und die Zeitschrift LandesEcho. Zu seinen künftigen Aufgaben wird neben der Betreuung der Öffentlichkeitsarbeit der Kulturstiftung selbst auch die Entwicklung von Formaten gehören, um die Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtungen der eigenständigen Kulturarbeit der Vertriebenen untereinander und mit anderen wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen, auch grenzüberschreitend, besser zu vernetzen, den Informationsfluss zu befördern und nachhaltige Synergieeffekte anzustoßen. Gleiches gilt für eine bessere Abstimmung der Publikationsorgane. Ebenfalls wird Herr Randýsek künftig u.a. Assistenz beim Einsatz neuer Medien und einer nachhaltigen Öffentlichkeitsarbeit anbieten.

Noch einzustellen ist ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für den Bereich „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, der insbesondere die Zusammenarbeit der Einrichtungen der eigenständigen Kulturarbeit der Vertriebenen mit den Einrichtungen der deutschen Minderheiten und darüber hinaus befördern soll.

Im Rahmen der Gesprächsrunde präsentierten der vormalige Geschäftsführer der Kulturstiftung Dr. Ernst Gierlich und Geschäftsführer Thomas Konhäuser auch das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen in Nordrhein-Westfalen“. Hierbei geht es um die digitale Erfassung und die virtuelle Präsentation der Exponate, also der sächlichen Objekte ausgewählter Heimatsammlungen. Die Exponate werden hierzu fotografisch aufgenommen und dann samt einer Beschreibung und weiteren Informationen im Internet in Form einer „virtuellen Heimatsammlung“ verfügbar sein. Der Besucher der Internetseite soll sich in den Räumen der Sammlung frei bewegen können, ganz gemäß seinen Interessen, sei es in den real bestehenden, in 360°-Panorama-Fotografie abgelichteten Räumen, oder, wo dies nicht möglich ist, in virtuell konstruierten Räumen. Er kann sich dann auf einzelne Objekte konzentrieren, sie mit anderen Exponaten vergleichen und dabei zugleich wesentliche Informationen zu dem einzelnen Objekt oder zu Gruppen von Objekten abrufen.

Die Landesbeauftragten stimmten überein, dass die Neuausrichtung der Kulturstiftung mit der Schaffung neuer Personalstellen sehr zu begrüßen sei und auch länderübergreifend zu Synergieeffekten führen wird. Gerne werde man die Kulturstiftung in ihrer Arbeit unterstützen. Gemeinsam diskutierte man insbesondere Möglichkeiten des Erhalts der Heimatsammlungen vor Ort in den Kommunen, aber auch die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.  Kulturstiftung und Landesbeauftragte vereinbarten, gegenseitig in engem Austausch zu bleiben und sich im Herbst zu einer weiteren gemeinsamen Gesprächsrunde zu treffen.

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