Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Der Breslauer Psalter

23.01.2019 , 18:00

Ausstellungseröffnung: Glanzlicht europäischer Buchkunst

Detail des Kalenderblattes Dezember | <i>Breslauer Psalter</i>, fol. 13r

Detail des Kalenderblattes Dezember | Breslauer Psalter, fol. 13r

Der Breslauer Psalter gehört zu den sehr komplexen, außergewöhnlich reich illustrierten und kostspieligen Handschriften des 13. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Eine verschwenderische Fülle von Illustrationen – biblische Szenen auf poliertem Goldgrund, detailreiche Randbilder, aufwendig gestaltete Initialen und phantasievoller Ornamentschmuck – zeichnen den Breslauer Psalter aus, den der Quaternio Verlag Luzern als seine neueste Faksimile-Edition in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam in einer Ausstellung zeigt.

Die kostbare Prachthandschrift entstand um 1265 für den herzoglichen Hof in Breslau, dem kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum Schlesiens. Dem Skriptorium des Zisterzienserklosters Leubus/Lubiąź dürfte bei der Erstellung der Texte eine maßgebliche Rolle zugekommen sein. Das Kloster Leubus war im 12. Jahrhundert von dem in Schlesien herrschenden Geschlecht der Piasten gegründet worden und erfreute sich auch während der folgenden Generationen der Unterstützung durch den Breslauer Zweig der herzoglichen Familie.

An der Entstehung der überreichen Ausschmückung des Buches waren neben mitteleuropäischen auch italienische Künstler beteiligt. Die Miniaturen, Initialen und Randbilder verweisen auf thüringisch-sächsische, fränkische, aber auch französische und englische sowie italo-byzantinische Einflüsse auf. Der bedeutendste Maler dürfte Gaibana Meister aus Padua gewesen sein. Anna von Böhmen, die Schwiegertochter der Hl. Hedwig, Schutzpatronin von Schlesien, war möglicherweise die Auftraggeberin. Der Psalter könnte als Hochzeitsgeschenk für Helene von Sachsen, die zweite Ehefrau ihres Sohnes Heinrich III. von Schlesien-Breslau entstanden sein.

Ein Psalter ist ein Gebetbuch, das sich im 13. Jahrhundert bei Laien wie Klerikern großer Beliebtheit erfreute. Es waren die am aufwändigsten illustrierten Handschriften und als solche Statussymbole. Häufig entstanden sie als Hochzeitsgeschenke und besiegelten dynastische Allianzen.

Die Ausstellung bietet die Gelegenheit, die einzelnen Seiten dieser Prachthandschrift mit ihren vielen Details aus der Nähe zu betrachten und im ausliegenden Faksimile-Band zu blättern. Der Breslauer Psalter hat 28 ganzseitige Miniaturen, 10 großformatige Bildinitialen, 168 Miniaturen auf den Seitenrändern der Blätter und Hunderte von figürlichen Szenen schmücken die 147 Blatt im Format 32,6 x 22,7 cm.

Programm

Grußworte

  • Dr. Frank Dirk Hoppe, stellv. Direktor und Leiter der Landesbibliothek
  • Gunter Tampe, Verlagsleiter des Quaternio Verlags Luzern
  • Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa

Festvortrag

Von Mönchen und Mäzenen – der Breslauer Psalter
Dr. Ralf Lützelschwab, Berlin

Anna von Böhmen († 1265), böhmische Königstochter und Witwe Herzog Heinrichs II. von Schlesien, gab ihn als Brautgeschenk für ihre künftige Schwiegertochter Helene von Sachsen in Auftrag: den Breslauer Psalter. Seine Ausstattung fiel so überreich aus, dass er am schlesischen Herzogshof fremden Besuchern immer wieder als exquisites Schaustück präsentiert wurde. Unterschiedliche Künstler aus ganz Europa waren an seiner Herstellung beteiligt – und auch die Mönche der Zisterzienserabtei Leubus trugen als Schreiber zum vollkommenen Erscheinungsbild dieser Luxushandschrift bei.

Nach dem Tod ihres Gatten im Dezember 1266 verließ Helene Schlesien wieder und nahm den kostbaren Psalter vermutlich mit. So ist jedenfalls erklärlich, warum sich keine Spur von ihm in den lokalen Quellen findet und dieses herausragende Werk keinen erkennbaren Einfluss auf die spätere schlesische Buchmalerei hatte. Bis ins 18. Jahrhundert wissen wir nichts über den Verbleib der Handschrift. Dann tauchte sie in England wieder auf und gelangte über Umwege in den Bestand des Fitzwilliam Museums in Cambridge, wo sie heute als besonderer Schatz behütet und verwahrt wird.

Im Vortrag soll nicht nur auf die Geschichte des Breslauer Psalters und sein theologisch hochkomplexes Bildprogramm, sondern auch allgemein auf die Bedeutung der Psalmen im späten Mittelalter eingegangen werden. Denn eines sollte man sich stets vor Augen halten: die 150 Psalmen waren keine toten Buchstaben, sondern beeinflussten die spätmittelalterliche Frömmigkeit in hohem Maße.

Musikalische Gestaltung
Liturgische Gesänge mit dem Ensemble »Stella Nostra«
Amy Green, Ellen Hünigen und Susanne Wilsdorf

Anfahrt

Bahn
Vom Hauptbahnhof Potsdam (S-, Regional- und Fernbahn):
10 Minuten Fußweg über die Lange Brücke in Richtung Innenstadt

Straßenbahn
Alle Straßenbahnlinien in Richtung Zentrum
Ausstieg Haltestelle »Platz der Einheit/Bildungsforum« und Haltestelle »Platz der Einheit/West«

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Kooperation mit dem Quaternio Verlag Luzern und der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam.

Die Ausstellung Der Breslauer Psalter – Glanzlicht europäischer Buchkunst wird vom 24. Januar bis 2. März 2019 gezeigt.