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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

»Alles hat hier große Dimensionen und immer etwas grenzenloses«

16.04.2019 , 18:00
Urania »Wilhelm Foerster«
Gutenbergstraße 71,
14467 Potsdam

Bauhäusler und deren Erbe in Russland. Ein Vortrag von Astrid Volpert im Rahmen der Reihe »Bauhaus und das östliche Europa – internationaler Stil im Dienst nationaler Interessen?«

In den 1930er-Jahren arbeiteten und lebten 62 Bauhäusler im größten Land des östlichen Europas bis zum Ural und auch im asiatischen Teil der Sowjetunion. Einer von ihnen war Hannes Meyer, Nachfolger von Walter Gropius als Direktor des Bauhauses. Sie blickten im Europa der Zwischenkriegszeit in eine neue Welt, voller dynamischer, widersprüchlicher Bewegungen, in Gang gesetzt durch die Moderne, und wirkten mit an der gewaltigen Aufgabe des Aufbaus der Infrastruktur einer neuen Gesellschaft. 34 Architekten und Städtebauer entwarfen und bauten gemeinsam mit russischen Kollegen und anderen Auslandsspezialisten neue Industriebetriebe und sozialistische Wohnstädte in Steppe und Taiga.

Nach fast 80 Jahren sind auf dem Papier und in der Realität immer noch mehr als 140 dieser Projekte fast vollständig oder fragmentarisch in Detail nachweisbar. Erkennbar und geschätzt, aber auch unerkannt befinden sie sich nicht nur in den Metropolen des heutigen Russland – Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk, Perm – , sondern auch in entfernteren Regionen. In einige dieser Gebiete reiste die Referentin seit Anfang der 1990er-Jahre. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts initiierte sie ein internationales Netzwerk von Denkmalpflegern und Studenten der Bauhausuniversität Weimar und der Uraler Architekturakademie, das einige dieser unikalen Gemeinschaftsbauten untersuchte und empfahl, sie unter Schutz zu stellen.

Der Vortrag richtet den Blick u.a. auf das Klubhaus von Béla Scheffler in der Sozgorod Uralmasch (Jekaterinburg), auf das Erste und Zweite Quartal von Magnitogorsk und auf das 8. Wohnquartal der Neustadt von Orsk, das Mart Stam und Lotte Beese sowie deren Basispläne vor Ort fortsetzend Hans Schmidt mit Konrad Püschel, Philipp Tolziner und Tibor Weiner realisierten.

Die Referentin

Astrid Volpert ist diplomierte Kulturwissenschaftlerin und Publizistin. Sie war Mitglied des internationalen, interdisziplinären Netzwerks »Bauhaus im Ural«.

 

Eintritt

6,– Euro
5,– Euro ermäßigt

 

Die Reihe

Bild: Treppenhaus im Palais Morava, das von Ernst Wiesner (1890–1971) als Kauf- und Mietshaus konzipiert war, in Brünn/Brno

Bild: Treppenhaus im Palais Morava, das von Ernst Wiesner (1890–1971) als Kauf- und Mietshaus konzipiert war, in Brünn/Brno

Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe Bauhaus und das östliche Europa – internationaler Stil im Dienst nationaler Interessen?, die das Deutsche Kulturforum in Kooperation mit der Urania Potsdam anbietet.

Im Rahmen des Bauhaus-Jubiläums 2019 will das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Zusammenarbeit mit der Urania Potsdam die Wechselbeziehungen zwischen der Reformschule und der modernen Architektur und Kunst in den Ländern Mittel- und Osteuropas in einer kleinen Vortragsreihe darstellen. Viele der am Bauhaus Studierenden aus der Tschechoslowakei und Ungarn stammten aus deutschen Familien.

Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur. Durch den Zerfall des Deutschen Kaiserreichs, des zaristischen Russland und der Habsburgermonarchie entstanden in Ostmitteleuropa neue Nationalstaaten. Durch Hunger und Elend weiter Bevölkerungsschichten entluden sich Revolten und Revolutionen, die in Russland zur Bildung der Sowjetunion führten.
Der politische und gesellschaftliche Neuanfang zeigte sich auch in der Architektur und Kunst. In den neu entstandenen Staaten waren vor allem öffentliche Gebäude Ausdruck des nationalen Selbstbewusstseins. Der Wohnungsbau sollte den Anforderungen einer modernen Stadt entsprechen, gleichzeitig war die Wohnungsfrage ein wesentliches Element der Sozialpolitik. Unter dem Leitgedanken »Volksbedarf statt Luxusbedarf« sollten Möbel und Gebrauchsgegenstände auch in industrieller Massenproduktion erstellt werden.

Im Bauhaus waren alle Bereiche der Kunst vertreten – auch weniger bekannte wie Bühnengestaltung und Fotografie. Der Ungar László Moholy-Nagy war ein Wegbereiter der experimentellen Fotografie.

Weitere Vorträge

Dienstag, 7. Februar 2019, 18:00 Uhr
Katalysatoren für »die neue Einheit von Kunst und Technik«
Die Ungarn am Bauhaus
Ein Vortrag von Dr. Katalin Bakos, Budapest

Donnerstag, 7. März 2019, 18:00 Uhr
Das Bauhaus und die Tschechoslowakei
Ein Vortrag von Prof. Ing. Vladimír Šlapeta, Prag

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit der Urania »Wilhelm Förster« Potsdam