Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
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Filmsoirée: „Eine blonde Provinz”

16.07.2020, 18.30 Uhr
Haus des Deutschen Ostens,
Am Lilienberg 5,
81669 München

 

Polen und der deutsche Rassenwahn“ (2009)

Einführung: Dr. Lilia Antipow, Haus des Deutschen Ostens
Referenten: Klaus Salge (Berlin) und Dr. Jacek Kubiak (Posen), angefragt

„Um zwei Uhr nachts kamen die Deutschen, 15 Minuten habt Ihr. Raus, raus Pollack!“ Tausende Polen christlichen und jüdischen Glaubens wurden nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 von der deutschen Wehrmacht, der SA und der SS aus ihren Häusern vertrieben, deportiert und umgebracht. Die Nazis planten, im besetzten Polen, in einem Distrikt namens Warthegau, ein Experimentierfeld des Rassenwahns zu installieren. Eine „blonde Provinz“, so Heinrich Himmler, sollte entstehen, ein Laboratorium zur „Züchtung des germanischen Herrenmenschen“.
Innerhalb weniger Wochen wurden Hunderttausende Polen und Juden zur Vertreibung freigegeben, als Arbeitssklaven missbraucht oder getötet. Die brutal Vertriebenen sollten „Platz schaffen“ für die „Volksdeutschen“, die vor allem aus der sowjetischen Einflusszone – zwischen dem Schwarzen Meer und dem Baltikum – „heimgeholt“ wurden.
Die Filmemacher Dr. Jacek Kubiak und Klaus Salge stellen in ihrem Film drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und deren Schicksal mit der Stadt Posen verbunden ist. Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reist, um den Ort zu besuchen, an dem seine Eltern ermordet wurden. Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine Eltern in Posen sucht und dessen Weg in den Widerstand führt. Und Dieter Bielenstein, der als Zwölfjähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Posen kam.
Der Film „Eine blonde Provinz“ wurde 2010 mit dem deutsch-polnischen Journalistenpreis (Polsko-Niemiecka Nagroda Dziennikarska) ausgezeichnet.
Klaus Salge (geb. 1941 in Sigmaringen) ist Filmregisseur mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm. Sein Interesse gilt vorrangig den politischen und kulturgeschichtlichen Themen mit Gegenwartsbezug. Als Drehbuchautor und Regisseur wirkte er unter anderem mit bei Dokumentarfilmen wie „Die Zeit ist für die Lieder und gegen die Panzer – Das erste Konzert in Griechenland nach dem Sturz der griechischen Junta” (1974); „Sonne und Zeit“ (1999), „Fifty-Fifty“ (2003), „Mikis Theodorakis. Composer“ (2011) und bei Spielfilmen wie „In den Tag hinein“ (2001).
Dr. Jacek Kubiak (geb. 1957 in Posen) ist polnischer Dokumentarfilmemacher. Bereits als Student schloss sich Kubiak der Oppositionsbewegung an und wurde 1980 Mitglied der „Solidarność“. 1981 wurde er aufgrund seiner politischen Aktivitäten verhaftet. 1988–1995 machte Kubiak eine Karriere als Journalist. 1993 gründete er die Firma „Telenowa“, die 1993–2012 über 500 Film- und Fernsehproduktionen herausbrachte. Seine Filme setzen sich mit geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Themen auseinander, einschließlich der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte. Jacek Kubiak drehte unter anderem Filme wie „Erinnerungszeichen“ (Znaki pamięci, 1997–2001), „Posen. Seltsame Geschichten“ (Poznań. Historie osobliwe, 2002–2004), „Das großpolnische Alphabet“ (Alfabet Wielkopolski, 2004–2007).

In Kooperation mit: Generalkonsulat der Republik Polen in München

Weitere Infos unter: https://www.hdo.bayern.de