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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Nela Rywiková – Děti hněvu | Kinder des Zorns

22.01.2019 , 19:00
Tschechisches Zentrum Berlin
Wilhelmstraße 44 / Eingang Mohrenstraße,
10117 Berlin

Eine Lesung in der Veranstaltungsreihe »Tschechien erlesen: Deutsch-tschechische Familiengeschichten«

Der Kriminalroman von Nela Rywiková führt in die Industriestadt Mährisch Ostrau/Ostrava, wo zwei junge Männer auf einem verlassenen Bahngelände eine Leiche entdecken. Ins Visier der Polizei gerät ein alter Sonderling, dessen Lebensgeschichte mitten im Krieg in einer deutsch-jüdischen Familie ihren Anfang nimmt. Geschickt verknüpft Nela Rywiková die spannende Krimihandlung von heute mit einer bewegenden Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs und der Jahre danach.

Die Kriminaluntersuchungen vermitteln ein vielschichtiges Panorama des heutigen Ostrava, das wegen des Strukturwandels in der Region gezwungen ist, sich neu zu erfinden. Die Polizisten ermitteln bei einflussreichen Lokalpolitikern und reichen Unternehmern, aber auch bei denen, die auf der Strecke geblieben sind. Einer von ihnen ist Erik, der mit seinen Kumpanen in Kneipen herumsitzt und sich mit dem Präparieren toter Tiere ein Zubrot verdient. Nach Kriegsende wurde er mit seiner deutschen Mutter nach Deutschland vertrieben, die Spuren seines jüdischen Vaters hatten sich schon nach dessen Deportation durch die Nationalsozialisten verloren. Die Mutter hofft inständig, den Vater wiederzufinden. Als dieser in Ostrava gesehen worden sein soll, fällt sie die schicksalhafte Entscheidung, zusammen mit ihrem Sohn dorthin zurückzukehren.

Nela Rywikovás im Verlag Host erschienener Roman Děti hněvu hat bisher noch keinen deutschen Verlag, die Auszüge für die Lesung wurden von Christina Frankenberg übersetzt.

Nach der politischen Wende von 1989 begann eine junge Generation von tschechischen Intellektuellen alte Tabus zu hinterfragen und unbefangen auf die komplizierte deutsch-tschechische Geschichte des 20. Jahrhunderts zu schauen. Zu ihnen gehören mehrere Autorinnen, die Perspektivwechsel vornahmen und bis dahin unbekannte Geschichten erzählten. Einige von ihnen stellen das Deutsche Kulturforum östliches Europa und das Tschechische Zentrum Berlin in einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe vor.

Lesung und Gespräch mit der Autorin in tschechischer und deutscher Sprache

Eintritt

frei

Lesereihe »Tschechien erlesen: Deutsch-tschechische Familiengeschichten«

Anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Leipziger Buchmesse 2019 veranstaltet das Deutsche Kulturforum östliches Europa gemeinsam mit dem Tschechischen Zentrum Berlin eine Reihe von Lesungen von Autorinnen, die in ihren Werken die deutsch-tschechische Geschichte des 20. Jahrhunderts thematisieren. Die NS-Herrschaft im Protektorat Böhmen und Mähren, die Deportation und Ermordung der Juden, die Vertreibung der Deutschen und das Leben der Verbliebenen spiegelt sich in den persönlichen Schicksalen ihrer Figuren.

Weitere Lesungen und Gespräche in der Reihe:

Montag, 26. November 2018, 19:00 Uhr
Alena Mornštajnová – Hana
Tschechisches Zentrum Berlin

Dienstag, 12. März 2019, 19:00 Uhr
Podium mit Alena Mornštajnová und Kateřina Tučková
Haus Dacheröden Erfurt

Mittwoch, 13. März 2019, 19:00 Uhr,
Kateřina Tučková – Gerta. Das deutsche Mädchen
Tschechisches Zentrum Berlin

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforum östliches Europa in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Berlin.