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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Oberschlesien zwischen den Weltkriegen

13.11.2018 , 18:00
Filmmuseum Potsdam – Marstall am Lustgarten
Breite Straße 1A,

14467 Potsdam

Vortrag von Marcin Wiatr und Filmvorführung: »Eine Perle in der Krone« | Perła w koronie (1971) von Kazimierz Kutz

Vortrag
Oberschlesien zwischen den Weltkriegen
Marcin Wiatr, Georg-Eckert-Institut, Hannover

Film
Eine Perle in der Krone | Perła w koronie (1971)
Regie: Kazimierz Kutz, Polen 1971

In hochinteressanten, originellen Aufnahmen zeigt der Regisseur seine Heimat Oberschlesien und versucht, dessen landschaftliche Besonderheit hervorzuheben. Der dramatisch dargestellte Streik unter der Erde erlaubt den Kontrast zwischen der Finsternis in dem Kohlebergwerk und der strahlenden Helligkeit über Tage. Vor allem die Szenen des einfachen Lebens in Oberschlesien besitzen eine eigene Kraft und Schönheit.

Eine Perle in der Krone ist in erster Linie eine Vision des alten Schlesiens mit seiner Volkskultur. Wenn man nun Salz der schwarzen Erde und Eine Perle in der Krone als eine Einheit nimmt, so erzählt Kutz darin von der Aufstands-Generation, die zunächst für das freie Polen gekämpft hatte, um anschließend eine große Enttäuschung zu erleben. In diesem Sinne ist Eine Perle in der Krone auch ein Desillusionierungs-Drama.

Nach dem überwältigenden Erfolg von Salz der schwarzen Erde begann Kazimierz Kutz, an diesem Film zu arbeiten, der eine natürliche Fortsetzung der Geschichte sein sollte – bewusst auch mit denselben Figuren besetzt.

»Die gesamte Struktur von Eine Perle in der Krone ist im Gegensatz zu der eher chaotischen Struktur von Das Salz der schwarzen Erde ziemlich vereinfacht. Im Grunde sehen wir in diesem Film ein gesellschaftliches Gefüge wie bei einem archaischen Stamm: das Feuer, das Heim, die Siedlung, der Weg zu dem Ort, an dem die Männer unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen versuchen, der Erde ihren Schatz zu entreißen. An manchen Stellen hat man den Eindruck, als wäre dieses Werk bewusst archaisiert, obwohl solche Gefüge ja heute nach wie vor existieren. Ich finde das sehr schön, denn es zeigt, dass gewisse Werte und Normen, die sich der Mensch in den alten Zeiten aufgebaut hat, bis heute ihre Gültigkeit besitzen, dass sie die Maßstäbe der Welt sind.«
Der Regisseur über seinen Film, 1973

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen der Veranstaltungsreihe Potsdamer Gespräche 2018 »Umkämpfte Demokratie. Europa im 20. Jahrhundert« des Forums Neuer Markt. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und dem Filmmuseum Potsdam