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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Vortrag: Das Rätsel der Turmschädel

06.06.2019, 19.00 Uhr

Haus des Deutschen Ostens
Am Lilienberg 5
81669 München

 

Die Bajuwaren und der Osten

Referent: Professor Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, München

Seit Jahrhunderten wird über die Herkunft der Bajuwaren gerätselt. Um 680 setzte der Mönch Jonas aus dem italienischen Kloster Bobbio die Baiern mit den keltischen Bojern gleich, für einen rheinischen Mönch um 1080 waren sie Einwanderer aus Armenien, eine Deutung, die bis in das 19. Jahrhundert in verschiedenen Varianten weitergesponnen wurde. Auch eine Herkunft aus Böhmen wurde immer wieder diskutiert, besonders seitdem man in Friedenhain bei Straubing und in Přešťovice (Prestowitz) in Böhmen eine spezifische Keramik entdeckte und als Beleg einer Einwanderungsbewegung von Ost nach West interpretierte. Inzwischen wird diese Theorie in der Wissenschaft nicht mehr geteilt. Dennoch finden sich im archäologischen Fundgut zahlreiche Hinweise auf enge Kontakte der frühen Baiern in verschiedene Regionen weit östlich ihres Siedlungsgebietes und ihres im 6. Jahrhundert entstandenen Herzogtums. Der Brauch, die Schädel junger Mädchen zu bandagieren und dadurch zu Turmschädeln wachsen zu lassen, war bei den Hunnen und später bei den im Balkan siedelnden Ostgoten verbreitet, findet sich aber auch in zahlreichen frühmittelalterlichen Gräbern in Bayern. Auch die frühe Politik der bairischen Herzöge hat viele Bezüge in östliche Nachbarregionen, war das Herzogtum doch der östlichste Teil des Frankenreiches. Der Vortrag skizziert die aktuellen archäologischen und sprachgeschichtlichen Befunde und geht den Kontakten und Konflikten der Baiern mit Slawen, Awaren und Böhmen im Frühen Mittelalter bis zur Eroberung des Awarenreiches durch Karl den Großen nach.

Weitere Infos unter: https://www.hdo.bayern.de