Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
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Wurde der Hitler-Stalin-Pakt mit dem Blut deutscher kommunistischer Emigranten besiegelt?

23.09.2020, 19.00 Uhr
Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus
Deutsch-osteuropäisches Forum Bismarckstr. 90,
40210 Düsseldorf

 

Vortrag und Diskussion mit Dr. Carola Tischler

 Margarete Buber-Neumann hätte sich zweifellos gefreut, wenn sie das noch erlebt hätte – indes starb sie, 88-jährig, drei Tage vor dem Fall der Berliner Mauer am 6. November 1989. Die gebürtige Potsdamerin hat die Erosion des kommunistischen Machtblocks östlich der Elbe, die lange vor 1989 begonnen hatte, bis zuletzt aufmerksam verfolgt. Sie kannte die Innenansicht des von der Sowjetunion dominierten Imperiums – mit 20 hatte sie sich der KPD angeschlossen, 1935 war sie an der Seite ihres Lebensgefährten Heinz Neumann, der zeitweilig der Parteiführung angehörte, nach Moskau gegangen. Die dort gemachten Erfahrungen haben sie dauerhaft geprägt.

Mit ihrem zuerst 1949 erschienenen Buch »Als Gefangene bei Hitler und Stalin« wurde Buber-Neumann nicht zuletzt zur Kronzeugin nicht nur der brutalen Verfolgung emigrierter deutscher Kommunisten in der stalinistischen UdSSR, sofern deren »Linientreue« angezweifelt wurde, sondern auch der Zusammenarbeit zwischen sowjetischen Geheimdienst NKWD und der Geheimen Staatspolizei der NS-Diktatur. Heinz Neumann war im Frühjahr 1937 in Moskau verhaftet worden, dass er wenige Monate später erschossen wurde, hat Buber-Neumann nie mit Gewissheit erfahren. Als Partnerin eines angeblichen »Verräters« wurde sie ihrerseits vom NKWD verhaftet, die folgende Verurteilung zu fünf Jahren Lagerhaft kann angesichts der damaligen Praxis in der Sowjetunion als milde angesehen werden. Indes hat Buber-Neumann »nur« etwas mehr als zwei Jahre als Zwangsarbeit leistender politischer Häftling in einem GULAG-Lager in Kasachstan verbracht, denn im Frühjahr 1940 wurde sie nach Westen transportiert und an der damaligen deutsch-sowjetischen Demarkationslinie (nach der gemeinsamen Zerschlagung Polens 1939) in die Hände der Gestapo übergeben. Bis zum Frühjahr 1945 blieb sie im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Beim Heranrücken der Roten Armee gelang ihr die Flucht nach Westdeutschland.

Margarete Buber-Neumanns Schicksal war kein Einzelfall – vielmehr wurde eine große Zahl deutscher Kommunistinnen und Kommunisten infolge des im August 1939 abgeschlossenen Hitler-Stalin-Paktes ausgeliefert. Anders als Buber-Neumann haben viele andere dies nicht überlebt. Diesem heute wohl weniger bekannten Aspekt des skrupellosen Abkommens der beiden Diktatoren geht Dr. Carola Tischler nach. Die studierte Historikerin ist seit langem beim renommierten Institut für Zeitgeschichte in München tätig und hat sich durch zahlreiche Forschungen und Publikationen den Ruf einer Sowjetunion-Expertin erarbeitet.

 In Kooperation mit: Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. DGO
Weitere Infos unter: http://www.g-h-h.de/